HessenFilm und Medien GmbH

Nominierungen Hessischer Film- und Kinopreis 2019

In der Pressekonferenz zum 30. Hessischen Film- und Kinopreis 2019 wurden die Nominierten in den Kategorien Spiel- und Dokumentarfilm sowie Kurzfilm bekanntgegeben. Die Auszeichnung der Preisträger*innen findet am 18. Oktober 2019 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in der Alten Oper Frankfurt statt.

Kategorie Kurzfilm

"Der kleine Achill" von Sebastian Jansen©Eumel Film

DER KLEINE ACHILL

(Deutschland 2019, 28 Minuten)

Regie: Sebastian Jansen

Die Jury: Alex bekommt sein Fahrrad vom stadtbekannten Raufbold Georg geklaut. Seinem Zorn über diesen Verlust begegnet sein Vater mit einer epischen Gute-Nacht-Geschichte. In sehr guter Bildsprache versucht er mit einer immersiv vorgetragenen Adaption der Sage über den Kampf um Troja, seinen Sohn über den Verlust hinweg zu trösten.
Dem Regisseur Sebastian Jansen gelingt dies in einer für Kinder einfach zu verstehenden Form: Der Sohn schlüpft in die Rolle des antiken Helden Achill. Dies wird vom Regisseur sehr glaubhaft und spannend umgesetzt. Die Ausstattung, Kameraarbeit und Dramaturgie sind beeindruckend. Die zahlreichen Visual-FX sind gut in die Erzähl-Ästhetik eingebunden.
Die Jury lobt ausdrücklich die Idee zu einer Verquickung einer schulischen Geschichtsbildung als Gleichnis mit einer Problembewältigung in der Realität.
 

 

 

Paula Hans in "REA" von Joanna Bielinski©Vero Bielinski

REA

(Deutschland 2019, 23 Minuten)

Regie: Joanna Bielinski

Die Jury: Die Regisseurin Joanna Bielinski hat mit ihrem Film "Rea" ein Familiendrama mit Real Suspense-Elementen vorgelegt, das auf subtile und erschreckende Weise aufzeigt, wie häusliche Gewalt das Familienglück zerstört. Eindrucksvoll demonstriert sie aus der Sicht des Ehemanns, wie die Tabuisierung der Gewalt das Opfer ohnmächtig und hilflos in eine ausweglose Position drängt.
Die Visualisierung, der Schnitt und die Ausstattung sind vorbildlich. Die Regisseurin hat eine glaubhafte Stimmung inszeniert und diese ebenso für den Betrachter umgesetzt. Die Kameraarbeit ist in den Situationen der Gewalt handwerklich eindrucksvoll.

"See der Freude" von Aliaksei Paluyan©Aliaksei Paluyan

SEE DER FREUDE

(Deutschland 2019, 30 Minuten)

Regie: Aliaksei Paluyan

Die Jury: Ein junges, kleines Mädchen reist, um seinen Vater zu suchen, durch Weißrussland - um ihn dann selbstbewusst, aber enttäuscht wieder zu verlassen.
Diese in vielen kleinen, wunderschönen Momenten erzählte Geschichte wird von Regisseur Aliaksei Paluyan zu einem wunderbaren Kurzfilm geformt. Die subtile Kameraführung zeigt in liebevoller, dezenter Handschrift die eindrucksvollen Schauspieler – allen voran die Hauptdarstellerin - und Landschaften - verbindet sie zu einer Einheit von Hoffnung, Liebe und Verlust und zeigt gleichzeitig die Schönheit von Natur und Mensch.

Kategorie Dokumentarfilm

"Adelheid, Kornelius und die Töde" von Kirstin Schmitt©Sailor's Yarn

ADELHEID, KORNELIUS UND DIE TÖDE

(Deutschland 2019, 91Minuten)

Regie: Kirstin Schmitt 

Die Jury: "Adelheid, Kornelius und die Töde" dreht sich um ein exzentrisches Ehepaar um die 80, das seit 53 Jahren verheiratet ist und eine symbiotische Beziehung führt. Kornelius‘ Krebsdiagnose führt jäh die Zerbrechlichkeit des Lebens vor Augen. Kirstin Schmitt schafft es mit sanftmütiger Geduld ein Portrait dieses Lebens jahrzehntelanger Zweisamkeit zu zeichnen, dem man sich nicht entziehen kann. Während Adelheid in stoischer Ruhe und stets mit einer großen Portion Humor den großen Obst- und Gemüsegarten bestellt, widmet sich Kornelius der körperlichen Ertüchtigung und nimmt seine Diagnose zum Anlass, den Fokus auf die schönen Dinge des Lebens zu richten. Gemeinsam begegnet dieses außergewöhnliche Paar der Welt mit einem faszinierenden Optimismus, der den Zuschauer nahezu demütig stimmt. Nüchtern und rational bereitet sich Adelheid auf ein Leben ohne Kornelius vor. Die Kameraführung ist zurückhaltend und niemals kommentierend. Man wird Zeuge einer großen Vertrautheit und eines langsamen und liebevollen Abschieds. Ein Film, der bewegt, an die eigene Menschlichkeit appelliert und lange im Gedächtnis bleiben wird.

 

 

"Born in Evin" von Maryam Zaree©Tondowski Films | Siri Klug

BORN IN EVIN

(Deutschland 2019, 92 Minuten)

Regie: Maryam Zaree

Die Jury: "Born in Evin" erzählt die Geschichte von Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree, die sich auf die Suche nach den gewaltvollen Umständen ihrer Geburt in einem der berüchtigtsten Gefängnisse im Iran macht. „Unsere Tränen sind politisch“, sagt Zaree. Ihr Regiedebüt ist viel mehr als die Aufarbeitung eines persönlichen Traumas. Mit berührender Ehrlichkeit und beeindruckendem Mut legt Maryam Zaree den Finger in eine noch immer offene Wunde.Man folgt Zaree auf verschlungenen Pfaden auf eine Reise in die Vergangenheit. Zärtlich, ehrlich und nah gewährt sie uns einen Einblick in ihre persönliche Geschichte, ohne Angst, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Eine Geschichte, die ihren Anfang unter bis heute kaum aufgearbeiteten Menschenrechtsverletzungen nimmt.Am Ende dieser Reise sucht die Regisseurin nicht mehr nach Worten für das Unausgesprochene, findet stattdessen den Mut ihre Stimme zu erheben und eigene unbequeme Fragen zu stellen. Ein starkes Debüt und ein wichtiger Beitrag für das kollektive Gedächtnis.

 

 

 

"Why Are We Creative?" von Hermann Vaske im Interview mit David Bowie©Emotional Network

WHY ARE WE CREATIVE?

(Deutschland 2019, 79 Minuten)

Regie: Hermann Vaske

Die Jury: Der Regisseur Hermann Vaske beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage "Why are we creative?".
Dieses, in all seinen Werken immer wiederkehrende Thema, hat er nun in einem 90-minütigen Roadmovie gebündelt, um die Facetten und die Grundfrage der Kreativität von bekannten Künstlern, Politikern und Wissenschaftlern aufzuzeigen.
Er befragt seine Interviewpartner in zum Teil konstruierten, schwierigen Situationen, z.B. auf der Straße, per Telefon, in gediegener Hotelatmosphäre oder auf dem Weg zur Bühne, um sie ad hoc, zu nicht vorbereiteten Statements zu bewegen. Sie können dabei nur reden oder auch zeichnen.
Seine Herangehensweise und Annäherung an dieses komplexe Thema ist intellektuell, philosophisch und - trotz der Spontanität - fast wissenschaftlich – mit Sicherheit sind die Antworten für den Zuschauer sehr unterhaltsam und zur Selbsthinterfragung anregend.

Kategorie Spielfilm

Karin Hanczewski und Sebastian Fräsdorf in "Bruder Schwester Herz" von Tom Sommerlatte©Osiris Media

BRUDER SCHWESTER HERZ

(Deutschland 2019, 105 Minuten)

Regie: Tom Sommerlatte

Die Jury: "Bruder Schwester Herz" ist der zweite Film von Tom Sommerlatte und er macht Lust auf mehr. Sensibel und atmosphärisch dicht erzählt der Regisseur ein komplexes und intensives Geschwisterverhältnis, das sich seine eigene Idylle auf dem Land geschaffen hat, bis diese plötzlich gestört wird: ein Western im Setting der deutschen Provinz.

Lilly, wunderbar gespielt von Karin Hanczewski, will mehr von ihrem Leben, als nur eine Rinderfarm zu betreiben, stößt bei ihrem Bruder Franz (Sebastian Fräsdorf) aber auf wenig Zuspruch. Er will nichts in seinem Leben verändern und so ist es für den charismatischen Musiker Chris (Godehard Giese) ein Leichtes, Lilly davon zu überzeugen, mit ihm zu gehen. Als sie zurückkommt, sind die beiden Geschwister sich fremder als je zuvor.

Tom Sommerlatte gelingt es, sein hervorragendes Cast, das bis in die Nebenrollen -  u.a. mit Jenny Schily - gut besetzt ist, und das großartig gewählte Setting gekonnt und stimmungsvoll in eine erfrischende und wunderbare Symbiose zubringen.

 

 

"Crescendo" von Dror Zahavi mit Sabrina Amali, Peter Simonischek und Daniel Donskoy (v.l.n.r.)©CCC Filmkunst | Oliver Oppitz

CRESCENDO

(Deutschland 2019, 105 Minuten)

Regie: Dror Zahavi 

Die Jury: "Crescendo" ist ein großes Filmprojekt: Die Gründung eines israelisch-palästinensischen Jugendorchesters soll ein Zeichen für eine friedliche Annäherung im Nahostkonflikt setzen; Musik als einigende Kraft, um Ignoranz, Hass und Vorurteile zwischen jungen Menschen verschiedenster Religionen und Nationalitäten zu überbrücken.

In der romantischen Idylle der Südtiroler Berge finden die Orchesterproben statt, die für die eigentlich verfeindeten Jugendlichen eine große Herausforderung bedeuten. Die Konfrontation des Dirigenten mit seiner Vergangenheit wird dabei zum Katalysator der langsamen Annäherung der Parteien.

Der erfahrene Regisseur Dror Zahavi führt das internationale und mehrsprachige Ensemble mit israelischen und palästinensischen Laiendarstellern großartig und lässt seinem Hauptcast, allen voran Peter Simonischek und Sabrina Amali, genug Raum, ihre  Figuren zu interpretieren.

 

 

Luna Paiano in "Ostwind - Aris Ankunft" von Theresa von Eltz©Sam Film | Marc Reimann

OSTWIND - ARIS ANKUNFT

(Deutschland 2019, 106 Minuten)

Regie: Theresa von Eltz

Die Jury: Die impulsive 12-jährige Ari hat im neuen Ostwind-Abenteuer an der Seite von Mika und Ostwind große Aufgaben zu meistern. Sie muss nicht nur Gut Kaltenbach vor der feindlichen Übernahme durch die intrigante neue Pferdepflegerin, sondern auch Ostwind vor dem brutalen Pferdetrainer retten. Theresa von Eltz übernahm die Regie im vierten Teil der erfolgreichen Ostwind-Reihe, eine Herausforderung, die sie wunderbar meistert. Die Einführung der neuen Protagonistin Ari, gespielt von einer sehr starken Luna Paiano, gelingt ihr ebenso gut wie das vertraute Setting mit neuen Akzenten zu ergänzen. Mit einer hervorragenden emotionalen Dramaturgie und einem gewohnt stark besetzten Cast gelingt es der Regisseurin, dass nicht nur Fans der beliebten Pferdeabenteuer auf ihre Kosten kommen.