HessenFilm und Medien GmbH

Young Talents in Hessen: Kirstin und Maren Schmitt

In der hessischen Film- und Medienszene tut sich was: Eine neue Generation von Filmschaffenden engagiert sich, um die Filmkultur vor Ort zu stärken. HessenFilm und Medien stellt die jungen Talente vor - was sie bewegt, was sie sich wünschen und woran sie gerade arbeiten. Heute in unserer Porträtreihe: Kirstin und Maren Schmitt von Sailor’s Yarn.

Die Filmemacherinnen Kirstin & Maren Schmitt. © Daniel Kralj & Tanja Häring

Berlin, Havanna, Hessen, Buenos Aires. Kurzfilme, Fotoserien, Dokumentationen, Filmportraits. Wer sich die vielen beruflichen Stationen und Projekte der beiden Schwestern und Filmemacherinnen Kirstin und Maren Schmitt anschaut, könnte meinen, es handele sich um das Portfolio einer ganzen Filmabschlussklasse.

"Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an", hat Kurt Tucholsky einmal gesagt. Das scheinen sich die beiden zu Herzen genommen zu haben, denn sie schauen sich nicht nur die Welt an. Mit ihren filmischen und fotografischen Arbeiten beobachten sie mit einer Liebe fürs Detail, was ihren Projekten eine besondere Tiefe und Komplexität gibt. Das liegt vielleicht auch daran, dass die beiden nicht nur Filmproduktion und Regie studiert haben, sondern auch andere Fächer.

Doch der Reihe nach: Die Dokumentarfilmerin Kirstin Schmitt hat sowohl Ethnologie, Mesoamerikanistik in Frankfurt am Main und in Hamburg als auch Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg und der EICTV-Escuela in Havanna studiert. Danach lehrt sie als Filmdozentin in Angola für das Goethe Institut und die dortige Journalismus-Hochschule. Aber sie arbeitet auch an ihren eigenen Projekten: Kirstin Schmitt nutzt ihre Kamera, um Miniaturen des Alltagslebens zu dokumentieren. Charakteristisch für die Arbeiten sind intime Portraits und das Spiel mit der Umgebung als Seelenlandschaft der Protagonisten. Mit ihren Arbeiten kann sie internationale Festivalerfolge feiern, etwa auf dem American Documentary Film Festival oder dem Shanghai Int. Film Festival.

Ihre Schwester Maren Schmitt macht zunächst ihren Magister in Europäischer Ethnologie, Spanische Philologie und Politikwissenschaft an der Philipps Universität Marburg. Nach Gastaufenthalten an der EICTV-Escuela in Havanna, studiert sie schließlich Filmproduktion an der Universidad del Cine in Buenos Aires und macht ihren Master in Film- und Fernsehproduktion an der renommierten Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Während ihrer Zeit in Argentinien produziert sie außerdem mehrere szenische und dokumentarische Kurzfilme, die auf internationalen Filmfestivals mehrfach ausgezeichnet werden.  
2016 ist es dann soweit: Die beiden gründen zusammen ihre eigene Produktionsfirma Sailor’s Yarn. Zurzeit arbeiten Kirstin und Maren Schmitt an dem Langzeitdokumentarfilm "Adelheid, Kornelius und die Töte (AT)", der von HessenFilm und Medien mit 45.000 Euro gefördert wurde. Um das Projekt abschließen zu können, haben die beiden aktuell eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Grund genug, um den beiden unsere drei Fragen zu stellen:

Warum lohnt es sich, als junge Filmemacherinnen in Hessen zu bleiben/arbeiten?
Junge FilmemacherInnen haben mit HessenFilm und Medien einen starken Partner an ihrer Seite, da sie sich besonders für aufstrebende Talente und Dokumentarfilm einsetzt. Dieses Engagement schätzen wir und es ermöglicht uns, kreativ und unabhängig als Filmemacherin und Produzentin zu arbeiten. Hessen ist außerdem visuell abwechslungsreich und attraktiv. Moderne Großstadt Ästhetik mit imposanter Skyline, historische Altstädte oder malerischen Landschaften bieten tolle Settings für audiovisuelle Produktionen. Doch vor allem sind es die Menschen, die das Produzieren in Hessen so angenehm machen. Wir empfinden die Zusammenarbeit hier als sehr unkompliziert, kollegial und man erfährt viel Unterstützung.  

Was wünscht Ihr euch für die hessische Filmbranche?
Wir wünschen uns eine stärkere Vernetzung der hiesigen Filmbranche und dass Hessen als Medienstandort noch konkurrenzfähiger wird. Damit der Nachwuchs der Film- und Fernsehbranche nicht in die großen Medienzentren abwandert, sind Talentförderung und ein weiterer Ausbau der produktionstechnischen Infrastruktur wünschenswert. Ein wichtiger Punkt ist die Standortstärkung - breiteres Angebot an (VfX)-Dienstleistern, Postproduktionshäusern, Studios etc. - um im bundesweiten Wettbewerb noch bedeutender zu werden. Da gibt es definitiv weiteren Spielraum. Außerdem hoffen wir, dass die HessenFilm und Medien auch zukünftig mutige Förderentscheidungen trifft und damit für mehr Diversität in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft sorgt.

Was sind eure nächsten Projekte?
Absolute Priorität hat zunächst natürlich die Fertigstellung unserer Langzeitdokumentation "Adelheid, Kornelius & die Töde". Bis zum Sommer sind wir stark in die Postproduktion des Films eingebunden. Ab Spätsommer/Herbst steht dann die Auswertung des Films an. Parallel sind wir in der Stoffentwicklung eines Filmprojekts, indem es um Postkolonialismus und Subkulturen auf Kubas geht.
Kirstin arbeitet außerdem an zwei Fotoserien, die ebenfalls als Langzeitbeobachtung konzipiert sind. Und Maren wird im Rahmen ihres Masterabschlusses im Spätsommer einen szenischen Kurzfilm drehen.

Bisher in unserer Porträtreihe: Christoph O. Strunck, Peter Meister, Joanna Bielinski und Brenda Lien.