HessenFilm und Medien GmbH

Portrait: klangBezirk Sound Postproduction

Special Screening von "Die sagenhaften Vier" am 7. Juni

Andreas Radzuweit im Gespräch © HessenFilm und Medien

Das hessische Tonstudio klangBezirk macht Sound Postproduction seit 2006. Ob Sound Design, Synchronisation, Foleys, Komposition oder Musikaufnahmen, in Sachen Ton sind klangBezirk Alleskönner. Das Team hat bereits bei vielfältigen Projekten mitgewirkt, so zum Beispiel an Dissonance von Till Nowak (Black Panther, Thor: Ragnarok, Guardians Of The Galaxy), Sushi in Suhl und zuletzt an dem Animationsfilm Die sagenhaften Vier. Für letzteres Projekt hat klangBezirk das Sound Design und die Filmmusik beigesteuert.

Wir haben anlässlich des Special-Screenings von Die sagenhaften Vier am 07. Juni um 20.00 Uhr in der CaligariFilmbühne Wiesbaden den klangBezirk-Gründer Andreas Radzuweit und Sounddesigner Moritz Corell in Wiesbaden-Biebrich besucht.

Die Anfänge 

Von 1994 bis 1998 studierte Andreas Radzuweit Ton- und Bildtechnik an der Musikhochschule Düsseldorf. Als Diplom-Toningenieur arbeitete er freiberuflich unter anderem für den WDR und verschiedene Tonstudios und spezialisierte sich auf Kino-Postproduktion. Anschließend war er drei Jahre bei Studio Besser tätig, bis er schließlich 2006 klangBezirk, sein eigenes Tonstudio, gründete.

"In Berlin, München, Köln gab es genug Anbieter für Kino-Postproduktion. Ich habe darauf vertraut, dass sich in Hessen die Filmbranche entwickelt." Andreas Radzuweit

So kam es dann auch, und klangBezirk hat sich als kompetenter Dienstleister für Sound Design und Filmmusik auch überregional etabliert. Andreas Radzuweit begrüßt die positive Entwicklung des Standorts Hessen, die auch aufgrund gezielter Nachwuchsförderung – wie etwa die Talent-Paketförderung der HessenFilm – vorangetrieben wird. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass das Potenzial in Hessen noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Der Einstieg in das Berufsfeld Sound Design ist auf verschiedenen Wegen möglich: ob über ein Studium, eine Ausbildung (Mediengestalter*in Bild und Ton) oder einen Quereinstieg. Letztendlich bietet das Profil des (potenziellen) Arbeitgebers eine gute Orientierung für Spezialisierungs- und Weiterbildungsfelder. Denn während die entsprechenden Studiengänge oftmals Musikproduktionen sowie Live-Aufnahmen und -Abmischungen in den Fokus ihrer Ausbildung stellen, konzentriert sich der Lehrinhalt an Berufsschulen in der Regel auf Bildbearbeitung und Schnitt.

Sounddesigner Moritz Corell wählte den Ausbildungsweg und kombinierte die Inhalte kurzerhand mit seiner Leidenschaft für Filmton und -musik. Seit 2015 bringt er sein Universaltalent bei klangBezirk ein.

"Ein guter Sound Designer sollte die Pro Tools im Schlaf können, also technisch alles auf dem Kasten haben. Am besten hat er oder sie schon Erfahrungen im szenischen, dokumentarischen und im Image-Film Bereich. Was aber besonders wichtig ist, ist die ,Musikalität‘ von Sound Design und das kreative Gespür für das jeweilige Projekt. Du machst deinen Job gut, wenn ihn niemand bemerkt."

Erst bei Unstimmigkeiten wird der/die Zuschauer*in zur Zuhörer*in. Zu harte Schnitte, Störgeräusche, unverständliche und zu leise Dialoge. Der Ton ist essenziell, um Zuschauer*innen tief in die Geschichte eintauchen zu lassen und wird nur selten zum Hauptakteur, der die Handlung übernimmt.

Herausforderungen und Workflow

"Natürlich macht man alles irgendwann zum ersten Mal, abgesehen davon ist das Verhältnis von Budget und Zeit eine ständige Herausforderung. Wir müssen uns immer überlegen, wie wir mit dem jeweiligen Budget in der begrenzten Zeit ein tolles Ergebnis erzielen. Wir haben leider nicht das Budget von einem Film wie ,Django Unchained‘ zur Verfügung, bei dem man mit Mikros im Kilometerabstand das Echo eines Pistolenschusses in einem verlassenen Tal On-Location aufnimmt."

Grundsätzlich werden je nach Budget, Zeitvolumen und Anforderungen neben dem festen Team, bestehend aus Moritz Corell und Andreas Radzuweit "feste Freie" mit ins Boot geholt. Die verschiedenen Aufgaben der Sound-Postproduktion werden an unterschiedlichen Arbeitsplätzen durchgeführt, so komponiert beispielsweise Andreas Radzuweit im Aufnahmestudio Filmmusik, während Moritz Corell nebenan den Dialogschnitt macht. 

"Beim Spielfilm, aber insbesondere beim Animationsfilm herrscht eine ungeheure Freiheit, da viele Geräusche und Effekte so nicht existieren und erst geschaffen werden müssen."

Sound Design fängt nicht erst mit dem fertigen Film an und ist in seinen Aufgaben enorm vielfältig. In Absprache mit Regisseur*innen und Produzent*innen wird je nach Anforderungen bei einer Spotting Session ein Klang- bzw. Musik-Konzept erstellt. Auf dieser Basis entstehen die Kompositionen und Sound Effekte. Etwas später erfolgt eine Sound Design-Abnahme, bei der die "Tonalität" der Sounds sowie artifizielle Effekte bestimmt und diskutiert werden. Die Sounds kommen entweder aus einem selbst angelegten Archiv und werden modelliert, bzw. angepasst, oder sie müssen durch Geräuschemacher*innen erzeugt werden. Hier ist Feingefühl und Kreativität gefragt. Die meisten Geräusche macht klangBezirk selbst, bei aufwendigeren Arbeiten wird ein/e Geräuschemacher*in engagiert. Der Vorteil: Neben dem Know-how hat diese/r auch deutlich mehr Equipment. Häufig arbeitet klangBezirk mit Max Bauer zusammen, einem der versiertesten Geräuschemacher in Deutschland. Abgesehen von diesen kreativen Tätigkeiten gibt es auch die rein technischen, so zum Beispiel den Dialogschnitt und das Anlegen und Abmischen von Foleys (Geräuschemacher*innen) und Atmos, also den Raumklängen des jeweiligen Ortes einer Szene. Zwischenetappen des Sound Designs sind kurze Teaser des Projekts, die für den Weltvertrieb bereits frühzeitig fertiggestellt werden müssen, damit die Produktionsfirmen auf Messen und Festivals bereits Verleiher und Vertriebe überzeugen können. Der letzte Arbeitsschritt ist in der Regel die Endmischung, in der alle Komponenten des Sounds zusammengefügt und "abgerundet" werden.

Unterschiedliche Formate

Und was macht angesichts der unterschiedlichen Aufgaben und Projekte am meisten Spaß? "Nichts Konkretes eigentlich. Es ist die Abwechslung von Projekten und Formaten, die diesen Job so spannend machen. Dialogschnitt macht mir an manchen Tagen enorm Spaß, obwohl das etwas total Technisches ist", sagt Moritz Corell. Ob Doku-Formate, Kurzfilme, Werbefilme, Kinofilme oder Animationsfilme, jedes Projekt birgt seinen eigenen Reiz. Nichtsdestoweniger stellen Langzeitprojekte wie "Die sagenhaften Vier" für klangBezirk eine besondere Herausforderung dar. Denn mit diesen Projekten baue man eine Verbindung auf, mit zunehmender Zeit entwickle man ein immer tieferes Gespür für die Geschichte, die Figuren und die Wirkung des Films, wodurch immer bessere Ideen entstünden.

"Beim Spielfilm, aber insbesondere beim Animationsfilm herrscht eine ungeheure Freiheit, da viele Geräusche und Effekte so nicht existieren und erst geschaffen werden müssen", betont Moritz Corell. Selbstverständlich wird dieser kreative Spielraum in Absprache mit dem/der Regisseur*in definiert. Das Aufgabenprofil des Sound Designs wird zusätzlich durch den Unterschied zwischen Fernsehen und Kino definiert. Insbesondere Kino-Produktionen leben von ihrem Sound: "Da geht es um Wirkung, um Klangdynamiken, um große Soundelemente, das sieht beim Fernsehen etwas pragmatischer aus, insbesondere bei Fernseh-Dokumentationen mit Off-Sprechern. Hier braucht es saubere Sprachaufnahmen, das Sound Design kommt weniger zur Geltung", erklärt Andreas Radzuweit.

Die nächsten Projekte

Zuletzt stellte klangBezirk das HessenFilm-geförderte Prokekt Der kleine Achill von Eumel Film fertig. Als nächstes steht nun die Komposition für einen weiteren internationalen Animationsfilm sowie die Vertonung und Sprachproduktion einer Serie an. "2019 ist und wird ein sehr volles Jahr", sagt Radzuweit mit einem zufriedenen Lächeln. 

Abgesehen davon sollten die gemeinsamen Kinoabende im Studio wieder regelmäßiger stattfinden, da sind sich beide einig. "Wir gucken uns gerne Filme an, die einen Schwerpunkt auf Sound und Musik legen. ,A Quiet Place‘ oder Musikfilme wie ,Whiplash‘ sind dafür gute Beispiele."

Und wenn es 2019 doch mal etwas viel wird, dann gibt es immer noch die Tischtennisplatte in der Küche, um zwischendurch abzuschalten.

Das Special-Screening von Die sagenhaften Vier findet am 07. Juni um 20:00 Uhr in der CaligariFilmbühne in Wiesbaden statt. Im anschließenden Filmgespräch gewährt klangBezirk gemeinsam mit zwei Sprechern einen Einblick hinter die Kulissen.

 

 

 


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