HessenFilm und Medien GmbH

Vielfalt im Film: Ergebnisse der Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera

Diskriminierung durchzieht die deutsche Filmbranche

Die Initiative Vielfalt im Film hat gestern im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz ausgewählte Ergebnisse der bundesweiten Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung in der Filmbranche vorgestellt. Die Ergebnisse der HessenFilm-geförderten Befragung legen einen großen Handlungsbedarf im Arbeitsumfeld von Film- und TV-Produktionen offen:

  • 81% der Cis* Frauen haben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.
  • 2/3 der Filmschaffenden haben ihre Diskriminierungserfahrungen nicht gemeldet. 83% sagen, eine Meldung habe keinen Effekt oder ziehe weitere Diskriminierung nach sich.
  • Corona verstärkt Diskriminierung aufgrund des Alters oder rassistischer Zuschreibungen.
  • Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, dass etwa arabische, muslimische und Schwarze Menschen oder auch Personen mit niedrigem sozialem Status überwiegend stereotyp dargestellt werden.

3.202 befragte Filmschaffende haben Angaben zu Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext gemacht. Davon gab die Hälfte (51 %) an, in den letzten zwei Jahren Diskriminierung erfahren zu haben. Jede 20. Person (5 %) sogar 'oft' bis 'fast immer'.

Die Ergebnisse sind nach Angaben der Initiator*innen nicht repräsentativ für alle Filmschaffenden in Deutschland. Dennoch liefern sie wertvolle Informationen, die die qualitativ erwartbaren Ergebnisse mit Zahlen untermauern. Diskriminierung im Arbeitskontext ist demnach kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem der Filmbranche.

Handlungsbedarf für Branche, Institutionen und Politik
Daraus ergibt sich großer Handlungsbedarf für die Filmbranche: Die HessenFilm und Medien hat bereits im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe gebildet, in der Kolleg*innen der HessenFilm und Medien sowie Vertreter*innen der hessischen Filmbranche in Kleingruppen mit Diskriminierungsformen und diversitätsbezogenen Themen, wie z.B. Religion und Weltanschauung, Geschlechtsidentität und sozialer Status, beschäftigen und dazu Maßnahmen planen.

Die HessenFilm möchte auch dazu beitragen, dass Filme aus Hessen verstärkt Geschichten erzählen, die der gesellschaftlichen Realität und der Internationalität des Standortes Hessen entsprechen. Zusätzlich sollen in diesen Filmen marginalisierte Gruppen vor und hinter der Kamera stärker vertreten sein.

"Die Ergebnisse der Umfrage stimmen mich sehr nachdenklich. Unser Arbeitsprozess für mehr Vielfalt im hessischen Film hat bereits begonnen, aber wir haben noch einen sehr weiten Weg vor uns. Wir werden weiter gemeinsam mit der Branche daran arbeiten, dass Filme aus Hessen verstärkt Geschichten erzählen, die der gesellschaftlichen Realität und der Internationalität des Standortes Hessen entsprechen und das Arbeitsumfeld von Film- und TV-Produktionen inklusiver und fairer wird. Wenn hinter der Kamera mehr Menschen mit diversesten Hintergründen in die Position versetzt werden, ihre Geschichten zu erzählen, wird das automatisch Einfluss auf das haben, was vor der Kamera passiert. Darin sehen wir bei der HessenFilm einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag."
Anna Schoeppe – Geschäftsführerin HessenFilm und Medien

 

Die vorgestellten Ergebnisse können hier nachgelesen und weiterverbreitet werden.

 

*Cis*
Bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Wenn in Alltagsgesprächen von "Frauen" und "Männern" die Rede ist, sind oft nur Cis-Frauen und Cis-Männer gemeint bzw. mitgedacht. Um sichtbar zu machen, dass damit gesellschaftliche Privilegien einhergehen, benennen immer mehr Cis-Menschen, dass sie Cis sind. Quelle: Glossar von Vielfalt im Film