HessenFilm und Medien GmbH

Ralph Förg verlässt nach 20 Jahren das Filmhaus

Zu diesem Anlass haben wir mit ihm gesprochen

In voller Montur: Ralph Förg © HessenFilm und Medien

Es gibt sicherlich wenige Menschen, die den Film- und Medienstandort in den letzten 20 Jahren mehr geprägt haben als Ralph Förg. Junge Filmemacher*innen kennen ihn als Ansprechpartner im Filmhaus, der immer mit einem Kontakt oder Rat zur Seite steht. Medienpolitiker*innen kennen ihn als Filmaktivisten, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der für die Sache brennt, der die hessische Medienpolitik wie wenige andere versteht und sich zu einhundert Prozent dem Film in Hessen verschrieben hat. Ralph Förg geht es dabei immer um die Sache und die Zukunft des Standorts. Darüber hinaus engagiert er sich seit über 40 Jahren für den Film, das Theater und die Musikszene in Frankfurt und Hessen. Wir haben mit ihm gesprochen, bevor er Anfang Januar das Zepter an Dr. Felix Fischl übergibt.

 

Was sind Ihre Highlights in 20 Jahren Filmhaus Frankfurt? Gab es besondere Herausforderungen?
Am meisten freut es mich, wenn hessische Filmemacherinnen und Filmemacher mit guten Projekten von sich reden machen. Ob das Michael Klöfkorn, Birgit Lehmann, Brenda Lien, Gunter Deller oder Sung-Hyung Cho oder sogar Leute aus dem Umfeld des Filmhauses sind, wie Rolf Silber, Christoph Oliver Strunck oder Melanie Gärtner.

Als besondere Herausforderung bleiben mir die zwei Ortswechsel des Filmhauses in Erinnerung. In Frankfurt geeignete Räume zu finden, war eine schwierige Aufgabe. Es hat sich dann aber zum Guten gewendet und wir haben letztlich einen hervorragenden Cluster mit vier weiteren Film- und Medieninstitutionen hinbekommen, dem Film- und Kinobüro Hessen, dem Bundesverband Jugend und Film e.V., dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit e.V. und dem Medienzentrum Frankfurt.
Von diesem Cluster profitieren alle, die in den Vereinen aktiv sind, da wir uns gegenseitig im Alltag beraten und unterstützen. Eines von vielen Beispielen ist die Werkstatt der jungen Filmszene, die vom Bundesverband Jugend und Film veranstaltet wird und bei der sich das Filmhaus mit seinem Know-How einbringen darf.

Wie geht es als nächstes bei Ihnen weiter?
Ich habe vierzig Jahre Chaos verursacht in all den Initiativen und Vereinen, für die ich tätig war. Jetzt geht es die nächsten fünf Jahre daran, das wieder aufzuräumen. Das läuft mir hinterher. Es liegen noch einige Themen an, die ich auf ehrenamtlicher Basis weiter begleiten möchte, egal ob es um Film, Musik oder Theater geht. Ich habe im Laufe der Jahre eine Menge Erfahrung in der Zusammenarbeit mit politischen Institutionen und Behörden gewonnen. Die will ich ehrenamtlich teilen und wichtige kulturelle Projekte unterstützen.

Was wünschen Sie sich für den Filmstandort Hessen?
Wir brauchen in Zukunft ein noch besseres Talentscouting-System und müssen auch in Zukunft beim Nachwuchs unseren Schwerpunkt setzen. Es werden noch nicht alle Talente erkannt und gefördert.
Wir müssen bei den Hochschulabsolventen ansetzen und schauen, wie wir sie nach ihrem Abschluss bei uns halten. Ein guter Schritt wäre eine unbürokratische Bagatell-Förderung und die größten Talente einfach mal zu fragen: "Was willst du als nächstes machen?"
Die Talent-Paketförderung geht in eine sehr gute Richtung. Darauf müssen wir aufbauen, indem wir danach drei bis fünf Jahre an den Geförderten dranbleiben. Wir brauchen in Hessen außerdem vier Unternehmen, die gut funktionieren und eigene Projekte stemmen, wie die U5 oder Novafilm und dann noch zwei Unternehmen, die Koproduktionen an Land ziehen. Dann gibt es in Hessen genug "Butter- und Brotfilme" und Raum, um über hochwertige Filme mit künstlerischem Anlass nachzudenken.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen für die Zukunft alles Gute!