HessenFilm und Medien GmbH

Prof. Hans Joachim Mendig im Interview

"Filmprofessor vom Media-Campus Dieburg macht Jungfilmern Mut"

Prof. Mendig mit den Teilnehmer*innen des Drehbuchseminars am Dieburger Media-Campus © Karl Heint Bärtl

Anlässlich unseres YoungTalents Seminars "Drehbuch in 23 Tagen" gab HessenFilm-Geschäftsführer Professor Hans Joachim Mendig dem Darmstädter Echo ein Interview zum Thema Nachwuchsförderung.

Das ganze Interview lesen hier:

 

Filmprofessor vom Media-Campus Dieburg macht Jungfilmern Mut

DIEBURG - Hans Joachim Mendig, Hessens oberster Filmförderer, ist neuer Honorarprofessor am Dieburger Media-Campus der Hochschule Darmstadt. Als ehemaliger Fernsehproduzent weiß er, was die Filmwirtschaft von den Studenten erwartet.

Herr Mendig, wie würden Sie den Mediencampus in Dieburg einordnen zwischen all den Filmhochschulen in Deutschland?

Dieser Campus ist etwas ganz Besonderes. Hier wird auf neuen Wegen gewandelt, das ist äußerst innovativ. Hessen ist ja kein klassisches Filmland. Da hat die Hochschule die Chance ergriffen, neben klassischem Filmschaffen auch Innovationen zu begleiten und weiter zu entwickeln. Alle zehn, fünfzehn Jahre gibt es solche Entwicklungen wie das Smartphone, auf dem wir heute auch Film schauen. Bald steht uns ein weiterer Schritt mit Virtual-Reality-Brillen bevor. Das ist eine der Zukunftsmöglichkeiten, mit dem Bewegtbild umzugehen.

Was können Sie als ehemaliger Produzent den Studenten aus der Praxis mitgeben?

Wir haben den technischen Abspielbereich und den Content, die Inhalte. Darauf lege ich in meinen Vorlesungen Wert: Ich fordere in der Ausbildung Content ein. Es kann ja nicht sein, dass wir nur Technik lehren. Die Technik wird in Zukunft immer mehr ermöglichen, aber wenn die Inhalte fehlen, ist das ein sinnloses Unterfangen.

Sie selbst sind Chef der Hessischen Filmförderung: Wohin soll der Weg der Dieburger Absolventen denn idealerweise führen?

Als Hessische Filmförderung wollen wir, dass die Studenten nach dem Abschluss auch in Hessen bleiben. Wir haben dafür eine Talent-Paketförderung installiert, die den Weg in den Beruf und die Ansiedlung eines Unternehmens ermöglicht. Das bieten wir seit zwei Jahren. Wir empfehlen, dass Gruppen dieses Angebot in Anspruch nehmen – ein Regisseur, ein Autor, ein Produzent. Wir statten sie so aus, dass sie drei Jahre über die Runden kommen. Diese Zeit müssen sie nutzen, um am Markt den Fuß in die Tür zu bekommen. Das ist immer am schwierigsten.

Den Abschlussfilm drehen Studenten oft mit wenig Geld und ganz viel Enthusiasmus. Dann kommt der Filmmarkt, wo sich bei einem Projekt alles rechnen muss. Wie kommen junge Filmemacher über diese Schwelle drüber?

Ich sage schon Erstsemestern: Das ist alles gut und schön, wir machen ganz viel Kunst, haben ein wunderbares Medium, aber die Vorbereitung auf den Markt muss früh gesetzt werden. Wie geht man mit den Fernsehsendern um? Oder wenn man im Film arbeitet: Was muss man beachten, was das Publikum betrifft? Ich empfehle während des Studiums möglichst viele Praktika, nicht nur die Pflichtpraktika.

Wo sollen sich die jungen Leute denn umschauen?

Bei Theater, Hörfunk, Fernsehen, Filmvertrieb, Filmverleih; alles, was nur im Entferntesten mit Medien zu tun hat, muss auf den Lebenslauf. Ich sehe gerne auf den Bewerbungen den Punkt Verschiedenes: Wenn da ein zwei Seiten voll sind, weiß man, dass dieser Mensch sich in alle möglichen Bereichen bewegt hat. Das halte ich für ganz wichtig. Zu meiner Zeit war der klassische Ausbildungsjob der Produktionsfahrer. Hinten im Auto saßen die Filmschaffenden, haben geschwätzt, und man bekam alles mit.

Das klassische Fernsehen ist ja auf dem Rückzug, das Kino hatte 2018 so schlechte Zuschauerzahlen wie seit bald 30 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie diese Krise ein?

Die Amerikaner sind einfallslos, sie produzieren nur noch Fortsetzungen und Comic-Verfilmungen. Ich sehe da große Ermüdungserscheinungen weltweit. Es fällt aber auch niemandem etwas grandios Neues ein. Die Bildschirme zuhause werden auch immer größer, man kann den Ton aufpeppen. Da sind Lust und Laune, von zuhause wegzugehen, weil das Kino etwas ganz Außergewöhnliches bietet, eingeschränkt.

Was raten Sie den Filmstudenten in dieser Lage?

Was ich den Studenten sage, ist Zweierlei: Handwerklich müssen sie topfit sein. Das lernen sie hier. Sie brauchen aber auch neue Ideen. Was könnte man auf die Leinwand bringen? Lasst den Geist einfach fließen! Oft bleibt zu wenig Zeit für Kreativität, das müssen wir hier mehr fördern. Und dann braucht es Ansprechpartner, die diese Ideen finanzieren.

Anders als bei Kino und TV boomen Streamingdienste. Wie schauen hier die Perspektiven für den Nachwuchs aus?

Das macht ganz viel Hoffnung. Streamingdienste sind für die Branche ein Segen. Sie setzen vor allem auf Serien. Das war lange ein Stiefkind im deutschen Fernsehen. Ich selbst wurde als Serienmann immer etwas mitleidig belächelt. Heute ist das angesehen, konnte sich ganz toll entwickeln, und die Serien haben junges Publikum. Streamingdienste haben ganz andere Möglichkeiten, sie arbeiten schnell und auf den Punkt. Dann brauchen sie mit einem Schlag viele Leute und drehen mit kurzer Vorbereitung. Da muss man flexibel sein und reinspringen. Für unsere Studenten ist das ein großer und wichtiger Bereich, um Arbeitsplätze zu finden.

Das Interview führte Stefan Benz.

 

Zur Person

Hans Joachim Mendig (Jahrgang 1953) war Programmchef beim Hessischen Rundfunk und danach für Monaco-Film Produzent von Serien wie „Die Kommissarin“, „Der Kriminalist“, „Der Staatsanwalt“ und „Ein Fall für zwei“. Von 1999 bis 2009 war Mendig im Vorstand der Münchner Odeon-Film.

Als Dozent hatte der Diplom-Betriebswirt von 1991 bis 2001 Lehraufträge an der Film-Akademie Ludwigsburg. Seit 2013 lehrt Mendig an der Darmstädter Hochschule, seit dem Sommersemester 2019 ist er als Honorarprofessor zuständig für Bereiche wie Filmförderung, Stoffentwicklung und Vermarktung von Filmen, Games und Virtual Reality-Produktionen.

Seit 2016 fungiert Hans Joachim Mendig als Geschäftsführer der Filmförderung „Hessen Film und Medien“. (sb)

 

Quelle: www.echo-online.de