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Die Preisträger des 9. LICHTER Filmfests

Zwei von Hessen geförderte Filme gewinnen auf dem LICHTER Filmfest: Das Nordkorea-Porträt "Meine Brüder und Schwestern im Norden" von Sung-Hyung Cho und der Dokumentarfilm "Auf einer Skala von 1-10" von Katharina Uhland

Gewinner des LICHTER Langfilmpreises: Der neue Dokumentarfilm "Meine Brüder und Schwestern im Norden" von Sung-Hyung Cho über das uns unbekannte Land Nordkorea. © Kundschafter Filmproduktion

Mit einer feierlichen Preisverleihung und dem Abschlussfilm "Jonathan" von Piotr J. Lewandowski hat am Sonntagabend das 9. LICHTER Filmfest Frankfurt International seine Pforten geschlossen. Vom 29. März bis zum 3. April hatte LICHTER das Künstlerhaus Mousonturm und weitere Kinos und Veranstaltungsorte in der Region mit über 100 internationalen und regionalen Filmen, Gesprächsrunden, Ausstellungen, Konzerten und Theatervorstellungen bespielt. Erstmals war das Festivalzentrum im Künstlerhaus Mousonturm. Fast alle Veranstaltungen waren ausverkauft. Durch den Zuwachs in den Kinosälen konnte das LICHTER Filmfest den Besucherrekord des vergangenen Jahres mit 12.000 Zuschauern wieder erreichen, obwohl in diesem Jahr keine großen Partys ausgerichtet wurden.

Der mit 2.000 Euro dotierte regionale LICHTER Langfilmpreis ging an den Eröffnungsfilm des Festivals. Aus elf Beiträgen im Wettbewerb kürte die Jury Sung-Hyung Chos Weltpremiere "Meine Brüder und Schwestern im Norden". "Die Frankfurter Regisseurin und gebürtige Südkoreanerin zeichnet ein Bild von den Menschen und ihrem Alltag in Nordkorea, das die wenigsten von uns so kennen", lautet die Begründung der Jury. "Sung-Hyung Cho bewegt sich im Rahmen der vom System vorgegebenen Möglichkeiten und schöpft diese auf kluge und respektvolle Weise aus. Sie fragt sehr bestimmt nach und gibt den Protagonisten gleichzeitig Raum. So entsteht das mosaikartige Portrait eines zerrissenen Landes. Der Film eröffnet dem Zuschauer die Möglichkeit, hinter die Bilder zu schauen, zwischen den Zeilen zu lesen und eine eigene Haltung einzunehmen." Die Jury war besetzt mit dem Schauspieler Stipe Erceg, dem Regisseur Nico Sommer und Linda Söffka, Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale.

Der BINDING Publikumspreis gibt den Besuchern des LICHTER Filmfests die Möglichkeit, ihren persönlichen Favoriten zu küren. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr an die Dokumentation "Auf einer Skala von 1-10" der Darmstädter Regiedebütantin Katharina Uhland. Mit der Kamera begleitet Uhland ihre an Knochenkrebs erkrankte Schwester und zeigt dabei die Auswirkungen einer Krebsdiagnose auf Erkrankte und Angehörige.

Den MBF-Preis für den besten regionalen Kurzfilm erhielt Florian Grolig (Kunsthochschule Kassel) für die Animation "In the Distance". Der Film handelt von einem Mann, der durch Krieg gezwungen wird, seinen einsamen Kosmos zu verlassen. "Eindrücklich, mit Feingefühl und einer klaren, starken Bildsprache, die zeichnerisch großartig umgesetzt ist, vermittelt uns Florian Groligs Film die Botschaft, dass Ignoranz und Verdrängung keine Lösung ist", so die Begründung der Jury, bestehend aus der Schauspielerin Isabel Berghout, dem Filmemacher Hendrik Maximilian Schmitt und Dr. Lilli Kobbe, Redakteurin beim Hessischen Rundfunk. Grolig darf sich über 1.000 Euro und eine Sachbeistellung der MBF-Filmtechnik in Höhe von 3.000 Euro freuen.

Erstmals zeichnete das LICHTER Filmfest auch den besten Langfilm der internationalen Reihe zum Thema "Grenzen" mit dem LICHTER International Feature Award aus. Die Jury, bestehend aus dem Regisseur Max Linz, der Journalistin Barbara Schweizerhof und dem Regisseur Hermann Vaske, teilte den Preis auf zwei Filme auf. Beide Preisträger zeigen in den Augen der Juroren, "wie sich Grenzen überwinden lassen – physisch und ideologisch, dokumentarisch und fiktional, zwischen Kontinenten oder zwischen gesellschaftlichen Gruppen." Die Dokumentation "Les Sauteurs" des malischen Regisseurs Abou Bakar Sidibé und der deutschen Regisseure Estephan Wagner und Moritz Siebert zeigt Sidibés von ihm selbst gefilmte Flucht aus Marokko in die spanische Exklave Melilla. Der zweite internationale Preisträgerfilm ist "Masaan". Das Spielfilmdebüt des indischen Regisseurs Neeraj Ghaywan erzählt vom Erwachsenwerden junger Menschen in Indien zwischen Tradition und Moderne. "

Bereits am Mittwoch, 30. März, erhielt der New Yorker Künstler James N. Kienitz Wilkins den mit 1.000 Euro dotierten LICHTER Art Award für seine Video-Arbeit "B-Roll with Andre".