HessenFilm und Medien GmbH

Young Talents in Hessen: Frauke Lodders

Young Talent Frauke Lodders mit dem "Goldenen Herkules"©Frauke Lodders

Die Filmemacherin Frauke Lodders beweist eindrucksvoll, dass es sich lohnt seinem Herzen zu folgen und von vermeintlich vorgeebneten Wegen abzuweichen. So entscheidet sie sich nach ihrem Fachabitur in Wirtschaftsinformatik für ein Studium an der renommierten Kunsthochschule in Kassel. Das Programmieren wäre ihr aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso zu langweilig geworden, denn die gebürtige Kasselanerin liebt die Abwechslung: das Hauptfach "Visuelle Kommunikation" mit Schwerpunkt Film und Fernsehen bietet ihr genau diese.

Für ihren 90-minütigen Abschlussfilm Morpheus erhält sie Unterstützung von der Hessischen Filmförderung und gewinnt Jasmin Schwiers (Ein Schnupfen hätte auch gereicht, Böhmermanns perfekte Weihnachten) für die Hauptrolle. 2017 gründet Frauke Lodders zusammen mit ihrem Kollegen Fabian Schmalenbach schließlich die Jumping Cat Filmproduktion, um ihre Präsenz in Hessen weiter zu stärken.

Zurzeit plant Frauke Lodders eine Filmtour durch ganz Deutschland, um ihren Dokumentarfilm Unzertrennlich - Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Geschwistern zu präsentieren. Dieser war 2018 für den Hessischen Filmpreis nominiert und feierte auf dem 35. Kasseler Dokumentarfilm und Videofest Premiere, wo er den mit 3.500 Euro dotierten Goldenen Herkules als bester Film im Lokalwettbewerb erhielt.

Die viel beschäftigte Filmemacherin rastet nicht. Ihre Leidenschaft für den Film macht weder Halt vor vermeintlichen Grenzen der Genres noch vor Filmformen. So wundert es nicht, dass sie kurz vor dem Kinostart von Unzertrennlich (Januar 2019) die Jury des 7.  Mumbai Shorts International Film Festival im frühen Dezember 2018 verstärkt hat. Doch nicht genug, auch in der Vorproduktion eines neuen fiktionalen Projekts steckt sie momentan: Am Ende des Sommers soll 2019 realisiert werden.

Auch für uns hat sich Frauke Lodders Zeit genommen und unsere drei Fragen beantwortet:

Warum lohnt es sich als junge Filmschaffende in Hessen zu bleiben/arbeiten?
Die hessische Filmbranche ist noch nicht so überlaufen wie andere Standorte in Deutschland, z.B. Berlin und München. Das hat den Vorteil, dass junge Filmschaffende die hessische Filmszene mit ihren Themen besetzen und beeinflussen können. Außerdem sind in Hessen viele Städte sehr offen für Filmdrehs und machen mit Begeisterung alles möglich, während es in anderen "Filmstädten" teilweise schon eine gewisse Gewöhnung an Filmdrehs gibt und man oft hohe Gebühren für alles Mögliche bezahlen muss.
Ich persönlich genieße es zudem sehr, Geschichten in meiner Heimat verwirklichen zu können. Und dadurch, dass ich in der Mitte Deutschlands wohne, bin ich auch in allen anderen Städten innerhalb von wenigen Stunden und kann so überall problemlos arbeiten. Das war auch für die Dreharbeiten zu meinem Dokumentarfilm Unzertrennlich - Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Kindern ein großer Vorteil, da die Protagonisten des Films in verschiedenen Städten leben.

In den letzten Jahren hat sich in Hessen viel getan. Auch durch die Neuaufstellung der HessenFilm und Medien GmbH gibt es einen großen Fokus auf die Nachwuchsförderung und das sehe ich sehr positiv. Ich bin aber auch gespannt, wie es hier sein wird, wenn ich nach dem nächsten oder übernächsten Film nicht mehr als Nachwuchs gelte.

Was wünschst Du Dir für die hessische Filmbranche?
Für die hessische Filmbranche wünsche ich mir Mut zu außergewöhnlichen Projekten, die eine große Bandbreite an Themen und Genres abdecken, die auch mal Risiken eingehen und Filme, die eine klare Haltung haben. Besonders heute in Zeiten von Fake-News und dem unerträglichen Rechtsruck der Gesellschaft ist es an den Künstlern Position zu beziehen und gut recherchierte, seriöse Filme zu machen, die bewegen. Dafür braucht es zum einen viele kreative Köpfe, die es hier zum Glück gibt, aber auch Geld und von dem wünsche ich mir für die hessischen Filmschaffenden gerne mehr. Es gibt hier viele gute Ideen, die es verdient haben verwirklicht zu werden. Ich würde mir wünschen, dass man irgendwann sagt: "Die ungewöhnlichsten, mutigsten Filme, die dem Zuschauer etwas zutrauen und auch zumuten, die kommen immer aus Hessen". Denn gerade dadurch, dass die Filmbranche hier noch wächst, ist es möglich die Filmszene hier zu etwas Außergewöhnlichem zu entwickeln.

Was sind Deine nächsten Projekte?
Ab Januar 2019 ist mein Dokumentarfilm Unzertrennlich - Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Kindern im Kino zu sehen und ich werde mit dem Film auf Tour gehen. Ich freue mich sehr auf die vielen Veranstaltungen mit verschiedenen Kinderhospizvereinen und Geschwistergruppen.
Danach werde ich für die ARD-Reihe Echtes Leben eine Familie porträtieren, für die ich in Unzertrennlich keinen Platz mehr gefunden habe und ich freue mich sehr, dass ich die Möglichkeit habe auch noch ihre Geschichte zu erzählen.

Dann ist es für mich endlich an der Zeit, mich mal wieder einem fiktionalen Stoff zu widmen. Im Sommer habe ich Drehbuchförderung für mein Spielfilmvorhaben Am Ende des Sommers erhalten, dass ich hoffentlich Mitte 2019 verfilmen kann. Auch hier setze ich weiterhin stark auf eine Zusammenarbeit mit der HessenFilm und Medien GmbH und hoffe, dass wir den eingeschlagenen Weg weiterhin zusammen gehen.