HessenFilm und Medien GmbH

1. Wo liegt Marburg?

Landgrafenschloss Marburg©Mirjam Klein

Marburg liegt auf halber Strecke zwischen Kassel im Norden und Frankfurt am Main im Süden. Die Stadt bildete den Mittelpunkt der alten Landgrafschaft Hessen, die 1248 als staatliches Gebilde sogar in Marburg gegründet wurde. Aus diesem Grund wurden hier im 15. und 16. Jahrhundert auch das höchste hessische Gericht und die erste hessische Universität eingerichtet. Gut hundert Meter über dem Lahntal erhebt sich das Landgrafenschloss, das im Hochmittelalter als Grenzburg („Markburg“) der Landgrafen von
Thüringen erbaut und dann immer wieder erweitert wurde. Rings um die Burg wuchs dann am Schlossberg hinab die eigentliche Siedlung, die schon im 12. Jahrhundert eine Stadtmauer besaß. Diese Marburger Oberstadt blieb mit ihrem Straßen- bzw. Gassennetz bis zur preußischen Stadterweiterung ab 1866 weitgehend unverändert bestehen und bildet zusammen mit Heidelberg und Tübingen bis heute den Inbegriff deutscher Fachwerk- und Studentenromantik.

2. Welche Filme wurden bereits in Marburg gedreht?

Naturwissenschaftlicher Campus Lahnberge©Mirjam Klein
Aula Alte Universität©HessenFilm und Medien

Als Filmort taucht Marburg in diversen Dokumentarfilmen auf, z. B. in Thilo Kochs Student sein in Deutschland von 1965, in Günter Faures Cool, verklemmt und abgetörnt – Sexwelle am Ende? von 1993 über die Studentenbewegung in Marburg oder besonders in Michael Wulfes Der Tag, an dem die Beatles (beinahe) nach Marburg kamen von 2006.
Auch in verschiedenen Spielfilm- und TV-Produktionen war Marburg Drehort, z. B. in zwei Folgen der TV-Serie Nirgendwo ist Poenichen (1980), die auf das gleichnamige Buch der früheren Marburger Mensaleiterin Christine Brückner zurückgeht. Im TV-Film Besser spät als nie (2015, Regie: Christoph Schnee), nimmt eine Dame in der Midlife-Crisis ihr vor zwanzig Jahren unterbrochenes Medizinstudium in Marburg wieder auf, wobei die pittoreske Theologische Fakultät samt Alter Aula im Film durch eine ‚neues‘ Eingangsschild zur Medizinischen Fakultät ernannt wird. 2016 hat Til Schweiger auf dem Marburger Marktplatz und in einem Marburger Verbindungshaus einige Szenen des Kinderfilms Conni & Co
gedreht und Marburg dabei in „Neustadt“ umbenannt. 2017 wurde schließlich der fast komplett in Marburg (2010 – 2015) gedrehte Thriller Streiflicht des Marburger Regisseurs Thomas Rösser uraufgeführt und 2018 war das Team von Die Wolf-Gäng in der alten Aula zu Gast.

Zum Filmort Marburg gehören aber auch die Filmschaffenden, die hier studiert haben; allen voran Hans W. Geissendörfer und der Dokumentarfilmer Günter Giesenfeld in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Seit Einrichtung des Studiengangs Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg Ende der 1980er Jahre sind zu diesen Pionieren noch zahlreiche Beschäftigte bei Fernsehsendern und in Filmproduktionen hinzugekommen.

3. Welche Locations bietet die Stadt

Alte Universität©Mirjam Klein

Als Kulisse kann Marburg mit vielen filmisch noch unverarbeiteten Orten vom Mittelalter über Reformationszeit und Aufklärung bis zur Epoche der Romantik und des Biedermeier für jeden Historienfilm den passenden Hintergrund liefern. Es gibt auch sehr viele original erhaltene Innenräume, wie z.B. die alte theologische Fakultät, die erst jüngst zur ‚Zauberschule‘ à la Hogwarts avancierte, einen hundert Meter tiefen Schlossbrunnen, mit dem Hexenturm ein spätmittelalterliches Gefängnis und sehr vieles mehr. Allerdings könnten die allmählich verfallenden Betongroßbauten der vor fünfzig Jahren auf den Lahnbergen eingerichteten Naturwissenschaftlichen Institute mit ihrem morbiden Charme mitten im Wald auch ohne weiteres eine Endzeitkulisse (mit guter Verkehrsanbindung) darstellen.

4. Warum sollte man in Marburg drehen und welche Filme wünschen Sie sich für Marburg?

Als Universitätsstadt, in der seit fast 500 Jahren immer wieder die Biographien von Berühmtheiten aus den Bereichen Forschung, Literatur, Philosophie, Politik usw. (z. B. Denis Papin, Christian Wolff, Jacob und Wilhelm Grimm, Clemens Brentano, Bettina von Arnim, Boris Pasternak, Emil von Behring, Kurt Eisner, Alfred Wegener, Gustav Heinemann u. v. a.) sozusagen ihre intellektuellen Anfänge nahmen, kann Marburg auch mehr sein als bloße Kulisse. Schon vorher gibt es zahlreiche für den Film noch nicht entdeckte Geschichten und Figuren: die mittelalterliche Königstochter Elisabeth von Thüringen, die als junge Witwe zur Krankenpflegerin und deswegen später zur Heiligen wird; die geschickte Politikerin Sophie von Brabant, die in ihrer Zeit doch nur für ihren Sohn regieren kann und dabei das Land Hessen gründet; der junge Abenteurer Hans Staden, den es in die neue Welt Amerika zieht, der von Kannibalen gefangengenommen wird und fast ein Jahr unter ihnen lebt, ehe er glücklich zurückkehrt und diese damals unglaubliche Geschichte in Marburg zu Papier bringt; der Landgraf Philipp der Großmütige, der das Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli initiiert, Kriege gegen den katholischen Kaiser und die aufständischen Bauern führt, aber doch ungleich berühmter dafür wird, dass er drei Hoden und deshalb zeitgleich zwei Ehefrauen hat und dadurch letztlich die jahrhundertelange Teilung seines Landes in Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt bewirkte.
Aber auch die Liebesgeschichte des russischen Universalgenies Michail Lomonossow zur Tochter seiner Marburger Vermieterin im 18. Jahrhundert oder die Amour fou zwischen Martin Heidegger und seiner siebzehn Jahre jüngeren Studentin Hannah Arendt oder die Annäherung Ulrike Meinhofs an Klaus-Rainer Röhl in den späten 1950er Jahren sind noch nicht publikumswirksam erzählt oder gar verfilmt worden.
Dass Marburg einmal einen Oberbürgermeister hatte, der als junger Sozialist und Gefangener der Nazis in einer Zelle des gleichen Rathauses saß, das er später (zwei Stockwerke höher) zwanzig Jahre lang regierte, ehe ausgerechnet die Studentenbewegung von 1968 ihn als reaktionär davonjagte, dass es also ein braunes und rotes Marburg gab und dass die Universitätsstadt in den 1970er Jahren auch als WG-Hauptstadt der Bundesrepublik galt – all das und vieles mehr ließe sich in Marburg filmisch erzählen und problemlos bebildern, denn die entsprechenden Gebäude und Örtlichkeiten sind praktisch alle noch da…

Ritterstraße und Lutherische Pfarrkirche©Mirjam Klein
Brunnen am Marburger Landgrafenschloss©Mirjam Klein
Alte Universität©HessenFilm und Medien

 

Ansprechpartner*innen für Locations können bei Bedarf über die Film Commission vermittelt werden:

Film Commission Hessen

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