HessenFilm und Medien GmbH

Nominierungen Hessischer Film- und Kinopreis 2016

 

Kategorie Spielfilm


Die Welt der Wunderlichs
(Deutschland 2016, 100 Minuten)
Regie: Dani Levy

Der Regisseur Dani Levy hat mit seinem Film "Die Welt der Wunderlichs" ein bunt schillerndes Cross-Over-Werk kreiert: Road Movie meets Screwball-Familienkomödie.
Mimi, alleinerziehende und überforderte Mutter eines hyperaktiven Sohnes, bekommt als Musikerin eine zweite Chance, nachdem ihr Sohn sie heimlich bei einer Castingshow angemeldet hat. Allein will sie sich auf den Weg in die Schweiz machen, um ihren Traum zu leben. Doch das sieht ihre chaotische Familie anders und möchte Mimi um jeden Preis begleiten.

In angenehm frischer, offener Erzählweise verarbeitet Dani Levy die komplexen Vorgänge in einer neurotischen Familie, die aus liebevollen Chaoten, gescheiterten Existenzen und anderen psychisch angeschlagenen Leuten und deren Schicksalen besteht. Er verzichtet auf kritische Töne und packt das Thema mit sympathischen Übertreibungen und Pointen an.
Dem Regisseur, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es wunderbar, die Figuren im Film auf einer Ebene mit dem Zuschauer zu halten:  Man lacht und leidet mit ihnen, nicht über sie.

Dani Levys Film ist ein klassischer Popcorn-Familien-Fun-Kinofilm gelungen, den man unbedingt "en famille" sehen sollte.


Jonathan (Deutschland 2016, 99 Minuten)
Regie: Piotr J. Lewandowski

In seinem Debütfilm "Jonathan" erzählt der Regisseur Piotr J. Lewandowski in kraftvollen Bildern eine zugleich intime wie universelle Geschichte über Einsamkeit und Selbstsuche, Sexualität und Tod.
Jonathan bewirtschaftet mit seiner Tante Martha einen Bauernhof und kümmert sich aufopferungsvoll um seinen krebskranken Vater Burghardt. Jonathan ist dabei zunehmend überfordert. Die junge Pflegekraft Anka wird als Unterstützung engagiert. Ankas offene, ehrliche und herzliche Art, ihre Freude am Leben fasziniert ihn. Als Ron, ein alter Freund von Burghardt, auftaucht, verändert sich die Situation. Gegen den Widerstand der Familie, die Ron als Eindringling empfindet, bleibt er an Burghardts Seite. Ganz langsam erfährt Jonathan, was den gar nicht so Fremden mit Burghardt verbindet: eine alte, nie versiegte aber immer verhinderte Liebe, und er erfährt, was beide mit dem Tod von Jonathans Mutter zu tun haben. Das lang Verschwiegene bricht mit aller Kraft an die Oberfläche. Dabei lernt Jonathan, sich von seinem Vater zu lösen und dessen bevorstehenden Tod zu akzeptieren.

Piotr J. Lewandowski verfasste auch das Drehbuch zu dieser berührenden Geschichte und gewann dafür den Hessischen Drehbuchpreis 2013. Ihm gelingt es die Beziehung der Figuren durch seine ruhige Erzählweise in wunderschöne Kinobilder zu verwandeln. Die starken Detailaufnahmen geben die Stimmung des Films atmosphärisch wieder und bilden wunderbare Bindeglieder zwischen den einzelnen Szenen. Besonders hervorzuheben ist auch die starke Besetzung, die im Gesamtbild ein tolles Ensemble formt. Ein gelungener Debütfilm mit starken Momenten und einfühlsamen Bildern.


Fritz Lang (Deutschland 2016, 104 Minuten)
Regie: Gordian Maugg


"Es war der falsche Weg. Menschenmassen und Maschinen, in jedem Film. Ich will das nicht mehr. Mir geht es nur noch mehr um den Menschen, um einen Menschen." Dieses Zitat aus Gordian Mauggs Film über den Star-Regisseur der 20er und 30er Jahre ist der Ausgangspunkt für Heino Ferch alias Fritz Lang, sich auf die Suche nach einem Stoff für seinen neuen Film "M" zu machen, mit dem er wieder neue Maßstäbe setzen und den Tonfilm neu erfinden möchte. Dafür reist Fritz Lang nach Düsseldorf, um dort in die Ermittlungen gegen den Serienmörder Kürten einzutauchen. Maugg taucht dabei in die Abgründe des Regisseurs ein und gibt Einblicke in Langs Vergangenheit und Psyche.

Der Filmemacher erfindet damit zwar den Tonfilm nicht neu, doch schafft er einen Kinofilm der besonderen Art. Angelehnt an die Filme der damaligen Zeit bedient er sich einer atmosphärisch passenden Schwarz-Weiß-Optik und verknüpft historisches Archivmaterial mit fiktionalen Schauspielszenen. Damit kreiert er ein ergreifendes Zeitdokument angereichert mit spannender Fiktion und emotionaler Dichte.

Eine mutige und lebendige Biographie auf hohem filmtechnischen und ästhetischen Niveau.

Kategorie Dokumentarfilm


Ghostland – the view of the Ju/’Hoansi (Deutschland 2016, 85 Minuten)
Regie: Simon Stadler und Catenia Lermer


In "Ghostland – the view of the Ju/‘Hoansi" begeben sich vier Ju/'Hoansi-San, eine der ältesten Jäger- und Sammlerkulturen der Kalahari, auf eine "Safari" durch Europa, eine ihnen bis dahin unbekannte Welt. Mit erfrischender Neugier erkunden sie das Neue und halten dabei der modernen Welt einen Spiegel vor: Sonst eine Touristenattraktion werden sie selbst zu Touristen.

Der hessische Regisseur Simon Stadler schnappte sich ohne großes Budget in der Tasche seine Kamera und fing die Bilder dieser Reise unverfälscht und mit großem Respekt gegenüber den Protagonisten ein: Er begleitet sie auf ihrem ersten Flug von Namibia nach Frankfurt, filmt ihre Eindrücke von der modernen Welt und lässt sie ihre Gedanken über das Leben der Weißen in Interviewsequenzen frei schildern.
Stadlers Kamera bleibt dabei stets stiller Beobachter, so dass die Würde der Protagonisten selbst in Situationen, die sie mit völlig Neuem konfrontieren, bewahrt wird. Gerade die berührend authentischen Hauptdarsteller verleihen dem Film eine ergreifende Lebendigkeit.

"Ghostland  - the view oft he Ju/‘Hoansi" ist ein erfrischend origineller Dokumentarfilm, der den Zuschauer von Beginn an begeistert und darüber hinaus auf ihn eine nachhaltige Wirkung hat.


Meine Brüder und Schwestern im Norden (Deutschland 2016, 109 Minuten)
Regie: Sung-Hyung Cho


Die bereits mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Sung-Hyung Cho ("Full Metal Village") porträtiert die Menschen hinter den Stereotypen eines weitgehend unbekannten Landes und gibt Einblicke hinter die Propagandafassade einer uns verschlossenen Lebenswelt.

Sung-Hyung Cho bewegt sich im Rahmen der vom System vorgegebenen Möglichkeiten und schöpft diese auf respektvolle Weise aus. Es gelingt der Regisseurin in der ihr eigenen, humorvollen Art den Menschen nahe zu kommen, ihnen mit Respekt und Zugewandtheit zu begegnen und ein faszinierendes, empathisches Bild der Menschen zu zeichnen. So kommt ein Volk zum Vorschein, das seine Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der beiden Koreas noch nicht aufgegeben hat. Der Film eröffnet dem Zuschauer die Möglichkeit, hinter die Bilder zu schauen, zwischen den Zeilen zu lesen und eine eigene Haltung einzunehmen.


Tokat – Das Leben schlägt zurück (Deutschland 2016, 76 Minuten)
Regie: Andrea Stevens


"Tokat" bedeutet vom Türkischen ins Deutsche übersetzt "Ohrfeige" und ist zugleich eine Stadt und Provinz in Anatolien. Es war aber auch ein Synonym für einen bandenartigen Raubzug der Frankfurter Jugendbanden der 90er-Jahre. Harte, gewaltbereite Jungs, die mit Drogen dealten und die Frankfurter Innenstadt ihr Revier nannten. Gut 20 Jahre später stellte sich Andrea Stevens zusammen mit ihrer Ko-Autorin Cornelia Schendel die Frage, was wohl aus diesen Jungs, denen sie damals in ihrer Jugend lieber aus dem Weg gegangen sind, geworden ist. Die Antwort darauf liefern sie in ihrem sehr gelungenen Dokumentarfilm "Tokat – Das Leben schlägt zurück".

Der Beititel gibt bereits Aufschluss darüber, dass manches Mitglied der früheren Jugendbanden mit den Folgen dieser Zeit zu leben hat. Stevens und Schendel entschieden sich für drei Protagonisten, die damals gemeinsam Frankfurt unsicher machten und deren heutige Lebensumstände im Mittelpunkt des Films stehen. Frei von kulturpolitischen Migrationsfragen geben die beiden Filmemacherinnen den drei Männern viel Zeit ihre Gedanken und Gefühle zu schildern. Jeder einzelne hat mit eigenen Problemen fertig zu werden: Kerem kämpft mit den Folgen seines Heroinkonsums, Dönmez lebt heute in der Türkei und hat eine Familie zu ernähren, Hakan wurde damals in die Türkei abgeschoben und ist bis heute heimatlos.

Dank prägnanter Alltagsbeobachtung und zahlreicher Interviewsequenzen, in denen die Männer aus der Vergangenheit und der Gegenwart berichten, gelingt Stevens und Schendel ein sehr realitätsnaher und echter Dokumentarfilm. Das Integrieren von Archivbildern aus den 90er-Jahren schafft auch ein visuelles Eintauchen in die Vergangenheit und verleiht dem Film eine zusätzliche Dynamik.

"Tokat – Das Leben schlägt zurück" ist ein eindringliches Portrait und ein erfrischend kurzweiliger Dokumentarfilm zweier Frankfurter Filmemacherinnen.

Kategorie Fernsehpreis - Beste Schauspielerin

Margarita Broich für ihre Leistungen in den Fernsehfilmen "Tatort - Wendehammer" (Regie: Markus Imboden) und "Aufbruch" (Regie: Hermine Huntgeburth)
Aus der Jurybegründung: Margarita Broich ist ein Phänomen. Eine Verwandlungskünstlerin, die keine komplizierten Frisurenkreationen braucht, um eine andere zu werden. Immer ist da diese umwerfende Körperlichkeit, mit der sie aus jeder Figur einen Solitär formt, der in keine Schublade passt.

Nicolette Krebitz für ihre Leistung in dem Fernsehfilm "Comeback der Träume" (Regie: Jan Růžička)
Aus der Jurybegründung: Neben ihren starken Partnerinnen, die in exzentrischen Rollen glänzen, spielt sich Nicolette Krebitz mit ihrer rockig-trotzigen Verletzlichkeit vom Hintergrund in den Vordergrund. Das ist große Kunst mit minimalistischen Mitteln.

Barbara Philipp für ihre Leistung in dem Fernsehfilm "Tatort - Es lebe der Tod" (Regie: Sebastian Marka)
Aus der Jurybegründung: Barbara Philipp hat das seltene Talent, alle, mit denen sie zusammenspielt, ein
wenig besser zu machen. Sie wirkt wie ein Kraftfeld, das Energie an ihre Umgebung abgibt. Dadurch ist ihre Arbeit selbst in Nebenrollen von unschätzbarem Wert, und ihr Spiel wird im allerbesten Sinne zum supporting act, zur Stütze der Hauptrolle.
 

Kategorie Fernsehpreis - Bester Schauspieler


Heino Ferch
für seine Leistung in dem Fernsehfilm "Allmen und die Libellen" (Regie: Thomas Berger)
Aus der Jurybegründung: An der Seite des kongenialen Samuel Finzi gelingt es Heino Ferch, eine Figur von internationalem Format zu schaffen, die ein kleines bisschen über dem Boden zu schweben scheint und aus Haltung allerbeste Unterhaltung macht.

Wolfram Koch für seine Leistung in dem Fernsehfilm "Tatort - Wendehammer" (Regie: Markus Imboden) und "Dead man Working" (Regie: Marc Bauder)
Aus der Jurybegründung: Im Tatort "Wendehammer" wird einmal mehr sein komisches Talent sichtbar, das so en passant und entspannt daher kommt, weil Koch niemals den vordergründigen Eindruck erweckt, komisch sein zu wollen, und es deshalb umso mehr ist. In "Dead Man Working" zeigt Koch in großer Perfektion, wie nah Zynismus, Komik und Verzweiflung beieinanderliegen können, und beherrscht all diese Gefühlslagen bravourös.

Nicholas Ofczarek für seine Leistung in dem Fernsehfilm "Tatort - Die Geschichte vom bösen Friederich" (Regie: Hermine Huntgeburth)
Aus der Jurybegründung: Nicholas Ofczarek schmeißt sich mit Wucht und Raffinesse in seine Rolle, wechselt von Dämon auf Dackelblick und ist so abgründig und unheimlich, dass er Zuschauern direkt unter die (Gänse)Haut geht.

Die Nominierungen für den Hessischen Fernsehpreis sind undotiert.

Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten


Den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten 2016 erhält in diesem Jahr Klaus Maria Brandauer. Der 73-jährige Österreicher wurde zunächst als Schauspieler, später auch als Regisseur bekannt und gehört zu den wenigen Österreichern, die sich auch in Hollywood einen Namen machen konnten.
Seine Entscheidung begründete Ministerpräsident Volker Bouffier wie folgt: "Klaus Maria Brandauer ist einer der herausragenden deutschsprachigen Theater- und Filmschauspieler der letzten 35 Jahre. Er nennt eine erstaunliche schauspielerische Vielfalt sein eigen, die er mit einer einnehmenden Präsenz verknüpft, mit der er sein internationales Publikum begeistert. Bereits ein Gigant an seiner künstlerischen Heimat, dem Wiener Burgtheater, drückt er mit "Mephisto" über Nacht auch dem Kino seinen Stempel auf und bringt so Nicht-Theatergänger in den Genuß seiner überwältigenden Kunst.


Alle Preisträger des Hessischen Film- und Kinopreises in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm, Hochschulabschlussfilm, Drehbuch und Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos, Kinokulturpreis für kommunale Kinos werden im Rahmen der Preisverleihung am 21. Oktober 2016 bekannt gegeben, ebenso die Preisträger des Hessischen Fernsehpreises.


TOM TRAMBOW, Standfotos, What A Man, Matthias Schweighoefer

HessenFilm und Medien

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Aufgabe der Filmförderung in Hessen ist es, Film- und Medienschaffende im Land dabei zu begleiten, ihre Projekte zu planen und zu realisieren. Sie vernetzt, unterstützt und hilft finanziell.

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