HessenFilm und Medien GmbH

Die Jury zu den Hessischen Kinokulturpreisen 2017

Auch in diesem Jahr war die Jury über die Vielfalt der Einreichungen sehr erfreut. Als Neueinreicher begrüßte die Jury das Unikino in Darmstadt, das Kino in Pfungstadt und das naxos.Kino, das sich ausschließlich dem Dokumentarfilm widmet.

Die Kinolandschaft in Hessen ist mit seinen engagierten Macherinnen und Machern sowohl im gewerblichen als auch im nicht gewerblichen Bereich einzigartig. Es bietet ein breites Spektrum an kommunalen Kinos, Studentenkinos, Filmmuseum, Filmclubs und besonderen Programmkinos.

Die Programme überzeugen mit vielfältigen Programmen, Sonderveranstaltungen und Veranstaltungen mit Gästen. Gelegentlich wird der Kinosaal auch spielerisch genutzt. Besonders erfreulich ist, dass der Dokumentar- und Kurzfilm verstärkt seinen Weg ins Kino findet. Das Kino in Hessen lebt und atmet für sein Publikum. Auch in diesem Jahr zeigen die Kinos, dass sie insbesondere auf dem Land ein wichtiger Bezugspunkt und oft einziger Kulturort sind. Aber auch im urbanen Raum tut sich Einiges. 

Die Jury ist begeistert von den vielen tollen Ideen und der liebevollen Programmgestaltung. Die Kooperationen der Kinos sind bemerkenswert und bringen neuen Austausch und Input. Dieses leidenschaftliche und beständige Engagement der Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber ist für das Publikum spürbar und wird auch in der Presse positiv wahrgenommen

Insgesamt vergibt die Jury in diesem Jahr zehn Kinokulturpreise für nicht gewerbliche Kinos und zehn Kinokulturpreise für gewerbliche Kinos.

 

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos

Die folgenden fünf Kinos bilden die Spitzenpreisträger und werden jeweils mit 10.000 Euro prämiert.

Ein Jahr ist es her, dass der junge und engagierte Kinomacher Christopher Bausch das hier ausgezeichnete Harmonie Kino, eines der traditionsreichsten Kinos in Frankfurt, übernommen hat. In erstaunlich kurzer Zeit hat er dort und auch im Schwesterkino Cinema, das er mit neuem Glanz versehen hat, einiges geleistet. Neben umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, auf die auch noch weitere folgen werden, hat er es geschafft, das Programm attraktiver zu gestalten und neue Filmreihen wie die sehr gut angenommene »(Dis)harmonie« zu etablieren, die sich dem abseitigen Film widmet. Dies hat sich auch in steigenden Zuschauerzahlen bemerkbar gemacht. Die Jury hofft, dass sich diese Strahlkraft weiter fortsetzt. 

Das Mal seh’n, das von Gunter Deller und Ariane Hofmann betrieben wird, ist seit Jahren eine wichtige Institution und ein Leuchtturm in der Kinolandschaft. Die Macher zeigen Filme jenseits des Mainstreams, Historisches begegnet Zeitgenössischem – und das alles in einem Kinosaal mit nur 80 Plätzen. 

Zum außergewöhnlichen Programm des Kino Traumstern in Lich zählen 80 Prozent europäische Filme, 255 Langfilme, ein Fünftel Dokumentarfilme sowie unzählige Sondervorstellungen mit Gästen. Einmalig ist das Konzept von Hans Gsänger und Edgar Langer, zu einem Jahresschwerpunkt ausgewählte Filme zu zeigen. Jeder Film, der im Traumstern gezeigt wird, wird persönlich angekündigt. Die Jury und das Publikum sind begeistert. 

Das Orfeo‘s Erben von Antje Witte wird mit Liebe gemacht, was sich auch in der besonders ansprechenden Gestaltung der Einreichunterlagen widerspiegelt. Liebevoll ist auch die Einrichtung und alles ist technisch auf dem neuesten Stand. Im einzigen Kinosaal kann sich der Besucher in gemütlichen Flugzeugsesseln auf die Reise begeben.

Das Orfeo’s Erben bildet eine Einheit aus Kunst und Kulinarik und begrüßt regelmäßig Gäste zum Publikumsgespräch, die danach oft noch im hauseigenen Restaurant verweilen. Bemerkenswert ist auch der Social-Media-Auftritt. Der Kommunikationsort Kino wird hier immer wieder neu geschaffen und zelebriert. 

Neben einem sehr ausgewählten Programm mit vielen Sonderveranstaltungen ist das Capitol Witzenhausen dem Ort sehr verbunden und gestaltet ihn aktiv mit. In 2016 hat Ralf Schuhmacher für das Kino den Preis für Nachhaltiges Kino bekommen - kein Wunder, das Institut der Öko-Agrarwissenschaften ist ja auch gleich um die Ecke und die Studenten zählen zum Stammpublikum des Kinos, denn das Thema Nachhaltigkeit zieht sich bis in die ansprechende Programmgestaltung.

 

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für nicht gewerbliche Kinos und Kinoinitiativen

Einmal im Jahr ist die ganze Welt in Weiterstadt zu Gast, schaut ausgesuchte Filme, diskutiert und trifft sich unter freiem Himmel beim Open Air Filmfest. Ein Wahnsinnsfestival, das das Kollektiv da jedes Jahr mitten im Wald auf die Beine stellt und das neben ihrem ebenso beachtlichen Kinobetrieb, mit dem queeren Filmfest und dem Cinelatino, um nur einige weitere Highlights zu nennen. Das Kommunale Kino Weiterstadt wird von einem Team aus leidenschaftlichen Kinomacherinnen und Kinomachern betrieben. Ihr bemerkenswertes Engagement schafft viel Raum für Kreativität und tolle Begegnungen. Für sein treues Publikum bildet es einen wichtigen Bezugspunkt und Ort des Austauschs und Entdeckens. Ihre tolle Arbeit wird in einem liebevoll gestalteten Monatsprogramm präsentiert.

Die Jury findet, dass dieses besondere Kino erneut die Auszeichnung mit dem Spitzenpreis in Höhe von 4.000 Euro verdient hat. 

 

Verteilung der Preisgelder

Gewerbliche Kinos

Capitol Kino Witzenhausen | 10.000 Euro

Harmonie Kinos | 10.000 Euro

Kino Traumstern Lich | 10.000 Euro

Mal seh'n Kino | 10.000 Euro

Orfeo's Erben | 10.000 Euro

BALi-Kinos Kassel | 7.000 Euro

Filmladen Kassel | 7.000 Euro

Lichtspielhaus Lauterbach | 7.000 Euro

programmkino rex Darmstadt | 2.000 Euro

Kammer-Palette-Atelier Marburg | 2.000 Euro

 

Nicht gewerbliche Kinos und Kinoinitiativen

Kommunales Kino Weiterstadt | 4.000 Euro

Filmforum Höchst | 3.000 Euro

Kino des Deutschen Filmmuseums | 3.000 Euro

Murnau Filmtheater | 2.000 Euro

TRAUMAkino Marburg | 2.000 Euro

Caligari FilmBühne | 2.000 Euro

Kommunales Kino Eschborn | 1.000 Euro

Filmkreis - Das Unikino in Darmstadt | 1.000 Euro

Kino Pupille Uni Frankfurt | 1.000 Euro

naxos.Kino | 1.000 Euro