HessenFilm und Medien GmbH

Preisträger Hessischer Film- und Kinopreis 2018

Kategorie Spielfilm

Josef Hader und Hannah Hoekstra in Arthur & Claire©Tivoli Film | Wolfgang Amslgruber

Arthur & Claire (Deutschland 2018, 95 Minuten)
Regie: Miguel Alexandre | Preisgeld: 25.000 Euro

In „Arthur & Claire“ begegnen sich zwei aussichtslos scheinende Leben. Beide suchen die Erlösung im Tod und doch nutzen sie die Chance der Begegnung und geben sich gegenseitig Hoffnung.

Der Regisseur Miguel Alexandre begleitet seine beiden Protagonisten durch das nächtliche Amsterdam und kitzelt gekonnt ein harmonisches Schauspiel aus Ihnen heraus, das dem Zuschauer von Beginn an Vergnügen bereitet.

Josef Hader mimt angenehm zurückhaltend den sterbenskranken Arthur und Hannah Hoekstra verzaubert durch ihre liebenswerte Darstellung der jungen Claire, die den Verlust ihrer Tochter verarbeiten muss. Dank der harmonischen Verknüpfung von tragischen und komischen Momenten gelingt es dem Regisseur dem traurigen Thema die nötige Tiefe zu verleihen und dem Publikum bis zum Ende eine rührende, aber nicht kitschige Geschichte zu erzählen.

„Arthur & Claire“ ist ein stiller, kluger und genauer Film über das Leben mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern.

Kategorie Dokumentarfilm

Regisseurin Dr. Ina Knobloch während der Dreharbeiten zu "Die Akte Oppenheimer"©City Media TV

Die Akte Oppenheimer (Deutschland 2018, 60 Minuten)
Regie: Dr. Ina Knobloch | Preisgeld: 15.000 Euro

Die Regisseurin Ina Knobloch will mit ihrem Dokumentarfilm „Die Akte Oppenheimer“ das dunkle Erbe antisemitischer Fake-News aufdecken. Das gelingt ihr, indem sie die Gerichtsverhandlungen gegen den jüdischen Kaufmann mit großer Akribie rekonstruiert und den Prozess als Komplott seiner Feinde entlarvt. Dabei bezieht sie sich auf den Nazi-Propagandafilm „Jud Süß“ aus dem Jahre 1940 und verurteilt diesen Film als Zerrbild und beispielhafte Strategie des Antisemitismus. 

In klaren und eindringlichen Sequenzen gepaart mit Interviews, Statements und Original-Filmausschnitten geht sie ihren wohl gewählten Fragen sachlich auf den Grund. Erstmals werden Tonbandaufnahmen aus den 70er- und 80er-Jahren gespielt, die offenbaren, dass das Publikum die antisemitische Propaganda von „Jud Süß“ nicht erkennt. 

„Die Akte Oppenheimer“ ist ein beachtenswerter Dokumentarfilm über die endlosen, manipulativen Vorgehensweisen antisemitischer „Fake-News“ und warnt ohne Marktschreierei, Agitation und Blendgranaten vor deren Auswirkungen. Dabei überzeugt er nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich mit einer für den Zuschauer wohldosierten Filmlänge.

 

 

Kategorie Kurzfilm

Rainer Ewerrien, Jörn Hentschel und Milena Dreissig in "Menschenjagd" von Peter Meister©Kabakon Film

Menschenjagd (Deutschland 2018, 19 Minuten)
Regie: Peter Meister | Preisgeld: 5.000 Euro

In „Menschenjagd“ stellt Peter Meister eine rechte Bürgerwehr in den Mittelpunkt, die bei ihrem Versuch, Deutschland vor einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen zu bewahren, selbst gezwungen wird, ihre Heimat zu verlassen.

Mit viel schwarzem Humor und einem tollen und gut gewählten Darsteller-Ensemble, u.a. Milena Dreissig und Rainer Ewerrien, gelingt ihm eine witzige und amüsante Persiflage, die dem Zuschauer einen Spiegel vorhält.

Überzeugen kann dabei auch die Kulisse -  irgendwo in der hessischen Peripherie - , die den skurrilen Protagonisten, die sich einem unvorhersehbaren Problem stellen müssen, den richtigen Rahmen verleiht.

 

 

Kategorie Hochschulfilm

"Appalachian Holler" von Matthias Lawetzky©Matthias Lawetzky

Appalachian Holler (Deutschland 2018, 29 Min.)
Regie: Matthias Lawetzky | Hochschule für Gestaltung Offenbach| Preisgeld: 7.500 Euro

Die Appalachen gelten als eines der Armenhäuser Nordamerikas – der Kohleboom ist vorbei, die Landwirtschaft tut sich schwer – und in diesen Bergen entstand die „Mountain Music“, der Ursprung der Country- und später Bluegrass Musik.

Matthias Lawetzky, Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, nähert sich in seinem Dokumentarfilm „Appalachian Holler“ den Einwohnern dieses Mittelgebirges und ihrer Beziehung zu dieser Musik sehr einfühlsam. In ruhigen und intensiven Bildern trägt er die Geschichten der Einheimischen vor und untermalt dies mit simplen, ehrlichen Strukturen der Mountain Music.

Mit seiner Kamera bewahrt er respektvoll Distanz zu den Gesichtern, den Instrumenten und Häusern, um die herrschende Armut nicht unnötig zu betonen. Die Schnitte sind ruhig und unaufdringlich und schaffen eine harmonische Verbindung von Schauplatz und Musik.

Matthias Lawetzky hat eine innovative Idee für ein dokumentarisches Thema in einen beeindruckenden Abschlussfilm verwandelt.

 

 

Kategorie Drehbuch

Klaus Stern und Kristl Philippi©Sabine Imhof

Wolf of Kassel
Autoren: Kristl Philippi und Klaus Stern | Preisgeld: 7.500 Euro

Mehmet Göker ist der „Wolf of Kassel“, der vom Gastarbeiterkind zum erfolgreichen Versicherungskaufmann mit eigener Firma aufsteigt und in unendlichem Wohlstand lebt. So schnell wie er reich wurde, so schnell wie er sein junges Luxusleben lebt, so schnell fällt er auch wieder tief auf den Boden der Tatsachen zurück und muss mit Ende 20 ins türkische Exil gehen.

Dieser wahren Geschichte über große Träume, Aufstieg, Erfolg und Absturz widmete Klaus Stern bereits zwei Dokumentarfilme und ist so überzeugt von dieser Story, dass er sie auch in einem Spielfilm verfilmt sehen möchte. Dafür verfasste er zusammen mit Kristl Philippi ein fein gearbeitetes Drehbuch, das den rasanten Werdegang Mehmet Gökers einer großen Leinwand würdig und spannend erzählt. Gökers ethnischer Hintergrund liefert dazu einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Integrationsdebatte. Und mit Kassel als Schauplatz rückt auch endlich mal eine hessische Stadt abseits des Rhein-Main-Gebiets in einen filmischen Fokus.

Inhaltlich wie handwerklich kann das Drehbuch rundum überzeugen und liefert neben einer faszinierenden Hauptfigur, auch einen temporeichen Stoff für tolle Kinobilder.

Sonderpreis

Paula Beer und Desirée Nosbusch in "Bad Banks" von Produzentin Lisa Blumenberg©Letterbox Filmproduktion

Bad Banks (Deutschland 2018, 6x52 Minuten)
Regie: Christian Schwochow | Produzentin: Dr. Lisa Blumenberg (Letterbox Filmproduktion)

Was bist Du wert? Wofür lebst Du? Und welchen Preis bist Du bereit, dafür zu bezahlen? – Auf diese Fragen suchen die Akteure der sechsteiligen TV-Serie „Bad Banks“ Antworten und dafür müssen sie einiges über sich ergehen lassen: Intrigen, von Adrenalin getriebene Spiele um Macht und Manipulation, wirtschaftliche Interessen, persönlichen Ehrgeiz und wechselnde Loyalitäten.

Schauplatz dieser Machtspiele ist die Welt der Hochfinanz, und wo ließe sich dies am besten erzählen, wenn nicht in der Bankenmetropole schlechthin: Frankfurt am Main. Die Stadt wird zu einer Protagonistin, die das Produktionsteam gekonnt in Szene setzt. Die fiktive Großbank, die Deutsche Global Invest, residiert in zwei Hochhaustürmen, die es so nicht gibt und die dem Stadtbild ein neues, faszinierendes Gesicht verleihen. Die VFX-Spezialisten haben dabei ganze Arbeit geleistet, sodass man meinen könnte, die Türme gäbe es wirklich. Im Gesamten adaptiert der Film den Look amerikanischer Serien und findet dabei doch seine eigene Bildsprache.

Aber auch hinsichtlich des Darsteller-Ensembles leistete die Filmproduktion Beeindruckendes: Die junge Paula Beer verleiht der Hauptfigur Jana Liekam die nötige Verbissenheit, Desirée Nosbusch setzt Christelle Leblanc, die Leiterin des Investment-Bereichs, als respektvolle und autoritäre Figur um und Barry Atsma punktet mit seiner charmanten und smarten Darstellung des Chefs der Investment-Abteilung Gabriel Fenger. Aber auch der restliche Cast zeigt Höchstleistung.

In sechs hochspannenden Folgen wird der Zuschauer durch das Milieu der Banker und Investoren in rasantem Tempo geführt. Von der ersten bis zur letzten Minute wird man mitgerissen, man will dranbleiben und doch will man schlussendlich wissen, wie es ausgeht.

Die Produzentin Dr. Lisa Blumenberg wagte sich an das komplexe Thema Investment heran, um es einem Publikum, das zu einem Großteil aus Laien besteht, näher zu bringen. Das gelingt ihr mit größter Bravour und der Erfolg spricht für sich: Nominierungen und Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Festivals. Mit der Serie trägt sie das hessische Frankfurt in die weite Welt hinaus und bewirbt somit unbewusst die Strahlkraft dieser Metropole, die den idealen Schauplatz liefert. Man darf gespannt sein auf die Fortsetzung dieser weiteren hessischen Erfolgsgeschichte.