HessenFilm und Medien GmbH

Nominierungen Hessischer Film- und Kinopreis 2018

Kategorie Spielfilm


Atlas
(Deutschland 2018, 100 Minuten)
Regie: David Nawrath

„Man lädt sich alles selbst auf. Und das muss man dann tragen.“ Das ist die Lebensweisheit von Walther. Und Walther hat sich viel aufgeladen. Und jetzt kommt er ins Wanken. Er hatte sich eingerichtet in seinem düsteren Leben, aber jetzt muss er sich entscheiden.

Walther ist die schwermütige Hauptfigur in David Nawraths Drama „Atlas“, die von einem hervorragenden Rainer Bock gespielt wird. Die Kulisse ist ein gräulich-winterliches Frankfurt, das die Schwermut, die diesen Film durch und durch begleitet, auf bedrückende Art und Weise unterstreicht.

David Nawrath, der zusammen mit Paul Salisbury auch das Drehbuch verfasste, gelingt es, sein sorgfältig ausgewähltes Ensemble, u.a. Thorsten Merten, Uwe Preuss und Albrecht Schuch, stringent zu führen und eine emotionale und einfühlsame Geschichte über Schuld, Wiedergutmachung und Vergebung in finsteren Zeiten zu erzählen.

 

Arthur & Claire (Deutschland 2018, 95 Minuten)
Regie: Miguel Alexandre

„Arthur & Claire“ ist ein beeindruckender Film über menschliche Nähe. Er führt zwei verzweifelte Menschen zusammen, die sich langsam näherkommen und gegenseitig Kraft geben. Arthur wird verkörpert von Josef Hader, der ein angenehm zurückhaltendes und angemessenes Spiel an den Tag legt, während Hannah Hoekstra als Claire einen bezaubernden und gut ausgewählten Gegenpart darstellt. Ihrem gemeinsamen Spiel zuzusehen ist gefällig und amüsant, wodurch das traurige Thema an Tiefe gewinnt.


Miguel Alexandre schafft es Komik mit Tragik harmonisch zu verknüpfen, und legt mit „Arthur und Claire“ einen wunderbaren Film mit einer rührenden Geschichte vor.

 

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm  (Deutschland 2018, 130 Minuten)
Regie: Joachim A. Lang


Schon vor diesem Film hat sich Joachim A. Lang mit Bertolt Brecht beschäftigt, ihn studiert, recherchiert und dokumentiert. Nun hat er mit „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ ein vielschichtiges Filmwerk geschaffen, in dem unterschiedliche Erzählebenen miteinander verschachtelt werden und das dank der besonderen Art der Inszenierung die unterschiedlichsten Facetten im Leben und Werk von Brecht beleuchtet. Dabei durchbricht er immer wieder ganz im Brecht’schen Sinne die Grenzen von Fiktion und Projektion.
Für den opulent ausgestatteten Film konnten namhafte Darsteller wie Lars Eidinger, Tobias Moretti und Hannah Herzsprung gewonnen werden, die mit deutlicher Spielfreude in sämtlichen Rollen eine beeindruckende Performance abliefern.

Kategorie Dokumentarfilm


Die Akte Oppenheimer - Das dunkle Erbe antisemitischer Fake-News (Deutschland 2018, 60 Minuten)
Regie: Dr. Ina Knobloch


„Die Akte Oppenheimer“ ist ein beachtenswerter Dokumentarfilm, der sehr kritisch auf die Auswirkungen antisemitischer Fake-News aufmerksam machen will. Ina Knobloch bedient sich dabei Original-Filmausschnitten aus dem Propagandafilm „Jud Süß“, lässt dazu Film- und Kulturschaffende zu Wort kommen und legt akribisch dar, dass die Gerichtsverhandlungen gegen den jüdischen Kaufmann Oppenheimer ein riesiger Komplott waren.
Der Dokumentarfilm überzeugt dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich, da er das Thema eindringlich und mit genau der richtigen Länge aufarbeitet.


Eingeimpft (Deutschland 2018, 94 Minuten)
Regie: David Sieveking


David Sieveking ist mit seinem Dokumentarfilm „Eingeimpft“ das gelungen, was Filme bewirken sollen: Der Zuschauer wird erregt - ob für oder gegen Impfen, das muss er selbst entscheiden. Typisch für Sieveking arbeitet er ein aktuelles Thema im privaten Umfeld auf, schafft dabei emotionale und authentische Momente und sorgt dank seiner akribischen Recherche für einen roten Faden.
Da das Thema alle betrifft, wird der Zuschauer direkt angesprochen und muss dann am Ende Stellung beziehen. David Sieveking lässt daher nicht nur beobachten, sondern fordert den Zuschauer auch heraus. Damit ist ihm ein sowohl anregender als auch unterhaltsamer Dokumentarfilm gelungen, der informiert, aber eben auch polarisiert.


Unzertrennlich (Deutschland 2018, 90 Minuten)
Regie: Frauke Lodders

In „Unzertrennlich“ porträtiert die Regisseurin Frauke Lodders Geschwister von behinderten oder lebensverkürzt erkrankten Kindern und schafft damit einen sehr berührenden und ergreifenden Dokumentarfilm. Die Kamera richtet dabei einen intensiven, aber nicht aufdringlichen Blick auf ihre Gedanken und Ängste und lässt den Zuschauer an ihrem Alltag teilnehmen.
Obwohl der Film nicht der erste seiner Art ist, sticht er dank seiner interessanten Protagonisten, die eine starke emotionale Wirkungskraft entwickeln, positiv hervor.

Alle Preisträger des Hessischen Film- und Kinopreises in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm, Hochschulabschlussfilm, Drehbuch und Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos, Kinokulturpreis für kommunale Kinos werden im Rahmen der Preisverleihung am 12. Oktober 2018 bekannt gegeben, ebenso die Preisträger des Hessischen Fernsehpreises.

 

Kategorie Beste Schauspielerin


Paula Beer in "Bad Banks" (ZDF 2018, Regie: Christian Schwochow)


Sechs aufregende Folgen lang hält uns Paula Beers Schauspielkunst in Atem. Es ist absolut faszinierend, ihr dabei zuzusehen, wie sie hinter der Oberfläche der nach Erfolg strebenden Frau Verletzlichkeit, Angst und Unsicherheit sichtbar macht. Sie verleiht dieser Figur eine durchlässige Kontur, kann immer glaubhaft machen, wie sehr sie Teil dieser gnadenlosen Finanzwelt ist, wie sie deren Regeln verinnerlicht hat und doch auch die Gefahr spürt, die von eben diesem Regelwerk ausgeht. Eine Meisterleistung der Charakterisierungskunst.


Britta Hammelstein in "Ferien" (ARD 2018, Regie: Bernadette Knoller)

Britta Hammelstein nimmt uns von der ersten Minute für ihre Figur ein. Mit ihr gehen wir diesen Weg, mit ihr entdecken wir ein anderes Leben, eine neue Langsamkeit, eine neue Perspektive. Ihre Vivi ist auf unendlich sympathische Weise überfordert, liebenswert, tastend, nach ihrem Platz in der Welt suchend. In die Komik ihres zurückhaltenden Spiels, ihrer permanenten Beobachtungen mischt sich sehr überzeugend die Traurigkeit und das Staunen. Eine zielsicher Gestrandete und zugleich eine sanfte Rebellin, die mit großer Wärme, Witz und Ironie auf das Leben schauen kann. Wunderbar.


Lena Urzendowsky in "Der große Rudolph" (ARD 2018, Regie: Alexander Adolph)


Lena Urzendowsky als Fräulein Evi wirkt auf bezaubernde Weise aus der Zeit gefallen. Ein Kind aus der Provinz, eine junge Frau, die plötzlich in die bunte Münchner Modewelt der 80er gerät. Anrührend und überzeugend lässt sie uns das Befremden und die Faszination angesichts dieser Glitzerwelt spüren. Dazugehören wollen und abgestoßen sein, ihre Sympathien für Mooshammer, der ja auch ein Sonderling, ein Fremder ist, das alles spielt Lena Urzendowsky mit absoluter Natürlichkeit, mit der großen Kunst des Unauffälligen, scheinbar Unangestrengten, das so schwer zu machen ist. Jeder Ton, jede Geste stimmt, ein Geschenk für diesen Film!

 

Kategorie Bester Schauspieler

 

Matthias Brandt in "Toulouse" (ARD 2018, Regie: Michael Sturminger)


Einer der ganz Großen glänzt in diesem Kammerspiel, Matthias Brandt als Gustav ist ein Ereignis: Ein Mann, der Schritt für Schritt seine Fassung verliert, dessen Fassade vor unseren Augen zusammenbricht. Er kehrt von einem neuen Leben kurz in das alte zurück und verfängt sich hoffnungslos in einem Netz aus Lügen. Brandt nimmt diesen Mann in einer radikalen und genussvollen Weise auseinander, dass es eine reine Freude ist.

Golo Euler  in "Tatort: Unter Kriegern" (ARD 2018, Regie: Hermine Huntgeburth)

Golo Euler macht mit seiner eindrucksvollen Vaterfigur die Tragödie eines Menschen sichtbar, der wohl nie den Zugang zu seinen eigenen Bedürfnissen, zu seinem eigenen Wesen fand. Unter der Oberfläche dieses kalten Karrieristen, dieses eingefleischten Egoisten brodelt etwas Verborgenes, das Golo Euler mit seinem brillanten Spiel erfahrbar macht. Diese Polarität der Figur, wie Euler sie spielt, macht den Charakter so besonders gefährlich und unberechenbar.


Thomas Schmauser in "Der große Rudolph" (ARD 2018, Regie: Alexander Adolph)

Rudolph Mooshammer, der Münchner Paradiesvogel, die abwegig schillernde Figur, wird durch Thomas Schmauser auf grandiose Art zu einem Mann, der sich selbst erfunden hat. Eitel und hingebungsvoll, fast kindlich in seiner Freude an schönen Dingen, ein abhängiges Muttersöhnchen, ein ängstlicher und gleichzeitig großherziger Mensch. Schmauser porträtiert Moshammer wunderbar und mit großem Respekt als Menschen hinter der Ikone. Als einen, der dem Ruhm und der Kulisse und vielleicht auch sich selbst nie ganz traut. Seine feine Komik liefert die Figur nicht aus und lebt durch die große Kunst der kleinen Andeutungen, Blicke und Gesten. Ein liebevolles und mitreißendes Porträt dieses Stars, der zugleich ein Außenseiter war.

 

Alle Preisträger des Hessischen Film- und Kinopreises in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm, Hochschulabschlussfilm, Drehbuch und Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos, Kinokulturpreis für kommunale Kinos werden im Rahmen der Preisverleihung am 12. Oktober 2018 bekannt gegeben, ebenso die Preisträger des Hessischen Fernsehpreises.