HessenFilm und Medien GmbH

Young Talents in Hessen: Moritz Becherer

©Moritz Becherer

Wie viele zeitgenössische Spielfilme aus den Vereinigten Staaten wurden eigentlich außerhalb Hollywoods gedreht? Ziemlich viele. Und ziemlich viele davon gehören zu den besten Produktionen, die die USA in den letzten Jahren zu bieten hatten. Möglich machen das originelle Filmstandorte und vor allem Nachwuchsfilmemacher, die viel Neues zu erzählen haben und sich nicht vor Pionierarbeit scheuen.

Fragt man hier zulande spontan in die Runde, wo das Zentrum des deutschen Filmes liege, wird man zweifelsohne München oder Berlin hören. Doch wie in den Staaten lohnt es sich, das Blickfeld zu erweitern. Zu den heimischen Gefilden, Hessen, konkret Darmstadt: Auch hier macht sich eine junge Generation an Filmschaffenden mit viel Herzblut daran, den Filmstandort zu gestalten. Vorne mit dabei: Moritz Becherer.

Bei seinem Langfilmdebut "Halt!Los!" führte Becherer Regie, schrieb das Drehbuch und trat mit seiner Firma herzkopfkino auch als Produzent auf. Das Projekt wurde mit Mitteln von HessenFilm und Medien verwirklicht. Wie viel Engagement und Einsatz hinter der Realisierung von "Halt!Los!" steckt, zeigt alleine, dass die jungen hessischen Crewmitglieder ganz auf ihre Gagen verzichteten.

Max, 21, ist Drummer und spielt leidenschaftlich zur Musik der Frankfurter Clubszene. Der Kampf gegen den ihm auferlegten Leistungsdruck durch Eltern und Gesellschaft treibt ihn zur Flucht in eine Scheinwelt und gar in eine Psychose.

Moritz Becherer verarbeitet damit durchaus auch autobiographische Elemente. Vor 18 Jahren, beim Abschluss seines Abiturs, hätte der Darmstädter wohl kaum mit der Weltpremiere seines Erstlingswerkes auf dem Lichter Filmfest an diesem Samstag gerechnet. Doch Becherer wagte den Schritt und entschied sich zum Filmstudium an der Kunsthochschule Kassel. So konnte er während und nach seiner Studienzeit diverse Filmprojekte realisieren, darunter 2015 den internationalen Kurzspielfilm "Reset", bevor er sich ab 2016 an die Produktion von "Halt!Los!" machte.

Im Kollektiv mit anderen Filmemachern hat er seither das Ziel, Hessen noch stärker in der deutschen Filmbranche zu etablieren. Wir haben ihn gefragt, wie er das anstellen möchte:

1. Warum lohnt es sich als junger Filmemacher in Hessen zu bleiben/arbeiten?
Als wir unsere Filmproduktion herzkopfkino gegründet haben, sind wir auf einige Widerstände gestoßen: viele haben die Stirn gerunzelt und gefragt: "In der Nähe von Frankfurt? Das ist doch kein Filmstandort. Wieso nicht Berlin oder München?" Wir sehen hier mehr als anderswo die Chance, die Filmlandschaft aktiv mitzugestalten.

Unsere junge Filmcrew steht stellvertretend für die kreative Branche in Hessen. Sie alle haben die Hoffnung, dass hier weitere Filmprojekte entstehen. Das motiviert mich natürlich, Projekte aus Hessen heraus zu produzieren - auch weil ich fest daran glaube, dass der Markt dafür ein großes Potenzial bietet. Ich denke, dass sich das längerfristig über Hessens Grenzen hinaus bewähren wird.

2. Was wünschst du dir für die hessische Filmbranche?
Vielen Filmstudenten wird im Studium die Hoffnung gemacht, danach in ihrem Beruf arbeiten zu können, was viele danach leider nicht tun. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig weniger Kreativschaffende nach ihrem Studium in fachfremden Jobs landen, oder wegziehen müssen.

3. Was sind deine nächsten Projekte?
Wir arbeiten gerade mit Autor*innen an verschiedenen Formaten: Zum einen werden wir mit einem neuen Serienkonzept das Thema Leistungsdruck aufgreifen. Diesmal wollen wir uns dem Thema humorvoll annähern und als Komödie entwickeln. Ein geplanter Episoden-Spielfilm wird sich mit weiblichen Rollenbildern  auseinandersetzen. Dabei wollen wir neue Blickwinkel auf die Auswirkungen dieser Rollenbilder schaffen.

Außerdem arbeiten wir an einem VR-Projekt, bei dem wir uns mit Spielsucht beschäftigen: Wir wollen dafür sensibilisieren, wie schnell reale und virtuelle Welt miteinander verschwimmen können. Der Zuschauer wird selbst zu einem Teil des Virtual Reality-Films werden.