HessenFilm und Medien GmbH
©Achim Reissner

Linda Gasser, geboren am 3. Oktober 1989, ist Produktionsdesignerin, Drehbuchautorin und Regisseurin in einem. Zurzeit macht sie ihren Master in Timebased Media an der University of Applied Science Mainz. Zuvor sammelte sie vielfältige Erfahrungen als Kamerafrau, Editorin und Redakteurin. Während ihrer Tätigkeit als Creative Producerin in der preisgekrönten Agentur Goebel+Mattes setzte sie unter anderem Auftragsarbeiten für SAP um. Gleichzeitig drehte sie eigene Filme, so zum Beispiel einen Dokumentarfilm in Buenos Aires und den Kurzfilm „3 Minutes“, für den Sie als Regisseurin den „Best International Director“ Award beim Womens Only Entertainment Film Festival 2017 gewann.

Für ihren Kurzfilm „Wo sie ist“, der vom Thema Big Data inspiriert war, konnte sie sogar Iris Berben als Schauspielerin gewinnen.

Nach all diesen Stationen und Erfahrungen im Low-Budget sowie im kommerziellen Bereich konzentriert sich die junge Filmemacherin, die momentan im hessischen Bauschheim lebt, nun auf Herzensprojekte: „Mit dem Wunsch Filme zu realisieren, die nicht dem Profit weniger Unternehmenschefs, sondern dem Mehrwert einer Allgemeinheit dienen, entschied ich mich gezielt der Drehbuch- und Regiearbeit hinzugeben.“ 

Mit Luli Productions realisiert sie seit acht Jahren Werbefilme, dokumentarische Essays und im Moment auch ihr Debüt im Langspielfilm. Mit dem treibenden Ziel ihre eigene Bildästhetik zu etablieren und den Deutschen Film in den internationalen Wettbewerb zu bringen, arbeitet Sie zurzeit mit ihrer Drehbuchautorin Valerie Dalena zusammen.

Ende April findet seit 2017 nun unter Lindas Federführung das Arc Filmfestival statt, bei dem sie anderen jungen Filmschaffenden aus der ganzen Welt eine Plattform für intensiven Austausch über Filmkunst bietet.

Anlässlich ihrer Reise in die USA, um dort zusammen mit ihrer Co-Autorin an ihrem Langfilmdebüt zu arbeiten, haben wir ihr die drei Fragen gestellt.

1. Warum lohnt es sich als junge Filmschaffende in Hessen zu bleiben/arbeiten? 

Das Rhein-Main Gebiet ist vielseitig, nicht nur was die Locationsuche betrifft. In Frankfurt gibt es tolle urbane Szenerien, gleichzeitig sind im Rheingau-Taunus-Kreis entlegene und idyllische Orte zu finden. Das bietet facettenreiche Möglichkeiten für die Konzeptionsphasen, da die Region für sämtliche Gemütszustände das richtige Angebot bereithält, was beim kreativen Schaffen einen wichtigen Nährboden für gute Ideen schafft. Ein weiterer großer Vorteil, den man erstmal gar nicht vermutet, ist, dass man in einem Gebiet, in dem der Film noch nicht allgegenwärtig ist, viel anstoßen kann. Claudia Tronnier hat das mal mit großen und kleinen Fischen verglichen. Wenn Berlin ein Haifischbecken ist, dann ist das Rhein-Main Gebiet ein Goldfischglas. Man kennt sich untereinander und es ist immer wieder schön, alten Gesichtern auf neuen Sets zu begegnen.

 

2. Was wünschst du dir für die hessische Filmbranche? 

Ich denke, dass gerade hier ein großes Potenzial für neue Medien schlummert. Deutschlandweit gibt es nur sehr wenige Filmfestivals, die neben “herkömmlichen” Filmen auch 360° Filme auszeichnen - gleich zwei sind in Hessen angesiedelt. Es ist eine beachtliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass viele Filmschaffende der Region überwiegend mit Werbefilmen ihr tägliches Brot verdienen. Das zeigt vor allem deutlich, dass der Eifer und das Wagnis der Filmschaffenden hier eine große Rolle spielen. Ganz persönlich wünsche ich mir für den hessischen Film viel Mut. Einerseits Mut seitens der Filmförderanstalten, Stoffe mehr nach dem Drehbuch anstelle der wirtschaftlichen Absicherung zu beurteilen und andererseits den Mut seitens der Filmschaffenden neue Wege zu erschließen, indem man unbetretene Gebiete einfach mit dem Filmteam bespielt und für Geschichten nutzt, die ins Kino gehören.

 

3. Was sind deine nächsten Projekte? 

Gerade bin ich in Nordamerika, wo ich meine Co-Autorin für mein Debüt im Langfilm “Mimosa Preciosa” treffe. Wir hatten 2012 bereits zusammen in Los Angeles an einem Film gearbeitet, der auf dem Max Ophüls seine Deutschlandpremiere gefeiert hat. Die Geschichte befasst sich mit Realitäten: Um die ewige Vergessenheit der Jugend zu retten, ziehen Gabriela und Georg nach einem Datencrash mit der Kamera los, um alte Erinnerungen aus Gabrielas Jugendjahren erneut zu fotografieren. Georg ist ein Nerd, der ständig von der Zukunft spricht und die Welt verbessern will, während sich Gabi mit ihrer verlorenen Jugend beschäftigt. Ob sie sich jemals in der Gegenwart treffen?
Ich möchte den Film sehr gerne in Hessen drehen, nicht zuletzt, weil ein Großteil meiner Crew hier ansässig ist und auch weil die Inspiration für die Geschichte hier herrührt. Als Roadmovie wird es nicht lange dauern, bis die Geschichte unsere Protagonisten über die deutsche Grenze hinaustreibt.