HessenFilm und Medien GmbH

Young Talents in Hessen: Jonatan Schwenk

Jonatan Schwenk mit seinem Preis "Cristal for a Graduation Film" auf dem Animations-Filmfestival in Annecy.©D. Bouchet/CITIA

Manchmal kann man eben doch auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Zumindest, wenn man Animationsfilme macht. Wo sonst erliegen Raum und Zeit ganz ihrem kreativen Schöpfer?

So studiert Jonatan Schwenk nicht nur visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, sondern ist seit 2014 auch Gaststudent in der Animationsklasse der Kunsthochschule Kassel. Bereits 2011 konnte das 1987 in Göttingen geborene Multitalent mit dem animierten Kurzfilm "Maison Sonore" auf diversen internationalen Festivals überzeugen.

Doch Jonatan Schwenk ist nicht nur Regisseur und Animator. 2013 konzipierte er für "Echo" von Merlin Flügel das Sound Design. Premiere feierte der Film auf der 63. Berlinale. Zwei Jahre später animierte Schwenk "The old Man and the Bird" von Dennis Stein-Schomburg, auch dieser lief im offiziellen Wettbewerb auf der Berlinale.

Nur konsequent, dass Jonatan Schwenk beim Animationskurzfilm "Sog" Ton, Regie, Animation und neben Merlin Flügel auch das Drehbuch beisteuerte. "Sog" gewann bereits über 20 Preise auf internationalen Festivals, unter anderem in Palm Springs, Brüssel oder auch beim Dokfest in Kassel. So hat der von der HessenFilm und Medien geförderte Film auch Aussichten auf eine Nominierung für den Studenten-Oscar.  

"Sog" zeichnet eine dystopische Welt, bewohnt von menschenähnlichen Kreaturen im Ödland, die vom plötzlichen Auftreten von Fischen, die buchstäblich auf dem Trockenen landen, überrascht werden und erbarmungslos gegen den neuen Störfaktor antreten. Durch die Kombination aus Realfilm, Zeichentrick, Stop-Motion und Digitaltechnik erhält der Film "eine ganz eigene gestalterische Tiefe" und damit von der Deutschen Film- und Medienbewertung auch verdient das Prädikat "besonders wertvoll".

Erst letzte Woche schaffte es "Sog" auf das South by Southwest in Austin, diese Woche ist er auf dem GLAS Animation Festival zu sehen. Bis Anfang Mai ist Jonatan Schwenk noch auf weltweiter Festivaltour. Für ihn kein Grund, sich nicht schon Gedanken über künftige Projekte zu machen. Für uns umso mehr ein Grund, ihm noch schnell ein paar Fragen zu stellen:  

Warum lohnt es sich als junger Filmemacher in Hessen zu bleiben/arbeiten?
Grade durch den Großraum Frankfurt, wo ein großer Bedarf an Bewegtbild besteht, gibt es in Hessen ein großes Potential im Bereich Film. Filmemacher*innen, die wie ich versuchen, ein gutes Maß an freien und kommerziellen Arbeiten zu finden, sind hier gut aufgehoben, denke ich. Durch Jobs können wir uns zumindest theoretisch gut den Rücken freihalten für unsere eigenen, freien Produktionen.

Was wünschst du dir für die hessische Filmbranche?
Vor allem die Kunsthochschulen in Kassel und Offenbach sind wirklich gut, gerade weil es dort möglich ist, so frei zu arbeiten. Dort wird nicht so viel reproduziert, was es schon gegeben hat, sondern es werden auch Ideen umgesetzt, die es tatsächlich so noch nicht gab.

Es wäre natürlich großartig für die Filmbranche, wenn sich mehr Alumni dieser Hochschulen dazu entscheiden würden, nach dem Studium in Hessen zu bleiben, um hier kurze oder auch lange Filme zu produzieren. Das wünsche ich mir natürlich grade für den Animationsfilm, für den die Wahrnehmung gerne generell etwas größer sein darf. Das ist ja auch ein Anliegen der AG Animationsfilm ist, bei welcher ich seit letztem Jahr Mitglied bin. Es gibt großartige Leute in Hessen, die super gut ausgebildet sind, um Animationsfilme zu machen, die aber dann doch fast ausschließlich an Werbung arbeiten. Ich weiß von mir selbst, wie gut es tut, zwischen den vielen Commercials ab und an mal ein paar Bilder vor mir auf dem Grafiktablett zu haben, die zum Beispiel für einen frei produzierten Kurzfilm gedacht sind, wo ich ganz anders gefordert bin. Vorausgesetzt, es handelt sind um eine gut geförderte Produktion.

Speziell für die Kasseler wünsche ich mir eine stärkere Anknüpfung an die Filmwelt im Raum Frankfurt. Aber das ist natürlich vor allem eine Aufgabe für uns, die wir hier im hessischen Norden leben.

Was sind deine nächsten Projekte?
"Sog" war ja nur ein Teil meines Abschlusses an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, mein Diplomfilm steht also noch aus. An den Plänen dafür sitze ich gerade so oft, wie es mir neben den Festivalreisen möglich ist, die ich mir mit "Sog" nicht entgehen lassen möchte. Zu viel möchte ich da auch noch nicht verraten, außer, dass es technisch ganz anders wird als bei "Sog".