HessenFilm und Medien GmbH

Young Talents in Hessen: Isabel Gathof

Isabel Gathof neben der Statue von Moritz Daniel Oppenheim.©Isabel Gathof

Unter dem jiddischen und hebräischen Begriff "Feinshmeker" versteht man entweder einen Menschen mit feinem Geschmack, der sich nur mit dem Besten zufrieden gibt, oder ein Produkt aus erlesenen Rohstoffen und mit hohen Qualitätsstandards. Da die Regisseurin und Produzentin Isabel Gathof an ihre Arbeit genau diese Ansprüche stellt, hat sie ihre Filmproduktionsfirma kurzerhand "FEINSHMEKER FILM" getauft.

Nach ihrem Auslandssemester an der Tel Aviv University, das sie während ihres Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München absolvierte, reiste sie zu Recherchen quer durch Israel. "Ein unglaublich spannendes Land voller interessanter Menschen – und ihren Schicksalen; schier unendlich reich an Geschichte und Geschichten", staunt Isabel Gathof.

Ihre Faszination für das jüdische Leben in Deutschland, das sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit zieht, geht sicherlich auch auf ihre Zeit in Tel Aviv zurück. An Dokumentarfilmen wie dem Porträt über die Mosaikkünstlerin und Holocaust-Überlebende Ilana Shafir (Regie: Anna Schneider) oder über den alten jüdischen Friedhof in München ("Für die Ewigkeit") hat sie bereits zu Beginn ihrer Karriere gearbeitet. Vor ihrem Studium absolvierte sie eine Ausbildung zur Werbekauffrau bei der Werbeagentur Saatchi & Saatchi in Frankfurt mit den Schwerpunkten Film, Funk und Fernsehen.

Ende 2013 erfuhr sie aus ihrer Heimatstadt, dass dem berühmtesten jüdischen Sohn Hanaus – dem Maler Moritz Daniel Oppenheim (ca. 1800-1882) – im Herzen Hanaus ein Denkmal gesetzt werden sollte. Das motivierte sie dazu, den Menschen hinter der Statue emotional erlebbar zu machen – natürlich in Form eines Films. Schnell stellte sie fest, dass vor allem im Ausland großes Interesse an dem Film herrschte und so realisierte sie entschlossen, die insgesamt vier Jahre andauernde Produktion überwiegend mit eigenen Mitteln, viel persönlichem Einsatz und vor allem Herzblut.

Diese Anstrengung zeichnete sich aus: Ende Dezember 2016 konnte "MORITZ DANIEL OPPENHEIM – The first Jewish painter" in der renommierten Cinematheque von Jerusalem auf dem Jerusalem Jewish Film Festival seine Weltpremiere feiern. Mit dem Director’s Cut des abendfüllenden Dokumentarfilms wurde sie für den Hessischen Filmpreis in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm 2017" nominiert. Von der Deutschen Film- und Medienbewertungsstelle erhielt der Film das Prädikat "wertvoll".

Die inzwischen eineinhalb Jahre andauernde Festivaltournee von Moskau über Melbourne bis nach Miami geht weiter: So wird der Film auch auf dem Lichter Filmfestival am 8. April im Mal seh’n Kino zu sehen sein. Dies war der Anlass für uns, der Regisseurin und Produzentin einige Fragen zu stellen:

1. Warum lohnt es sich als junge Filmschaffende in Hessen zu bleiben/arbeiten?
Wir befinden uns hier in Hessen gerade in sehr spannenden Zeiten: Die Hessische Filmbranche befindet sich im Umbruch, Investitionen nehmen zu und es tut sich wahnsinnig viel. Das war nicht zuletzt auch ein Grund für mich, aus der Filmmetropole München, in der meine "Alma Mater" – die HFF – steht, wieder zurück in die Heimat zu kommen.
Gerade im Nachwuchsbereich zeigt die HessenFilm und Medien viel aufrichtiges Engagement – und dabei ein verstärktes Interesse, junge Filmemacher/-innen nachhaltig am Standort zu verankern. Der Markt ist noch nicht so übersättigt und birgt viele Wachstumspotenziale. Hessen ist sehr facettenreich – nicht nur als Drehlocation. Dazu kommt der Faktor der Internationalität, der vor allem im Rhein-Main Gebiet eine große Rolle spielt. Beste Voraussetzungen für Produktionen, die über Grenzen hinweg denken (nicht nur die hessischen Landesgrenzen) und Brücken schlagen.

2. Was wünschst du dir für die hessische Filmbranche?
Dass sie die Anerkennung und Awareness bekommt, die sie verdient!
Ich bin hier in kürzester Zeit auf so viele ambitionierte Leute, engagierte und hilfsbereite Branchenprofis getroffen – wir haben hier Oscar-prämierte Facilitys – es gibt wirklich keinen Grund sich zu verstecken. Dazu kommt ein spürbar ausgeprägtes Interesse, sich untereinander zu connecten. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr Tools, Portale und nicht zuletzt Gelegenheiten für Face-to-Face Begegnungen gibt, sein Netzwerk auch über den Ballungsraum Frankfurt erweitern zu können.

3. Was sind deine nächsten Projekte?
Geplant ist für dieses Jahr noch ein Kino-Dokumentarfilm, der in Co-Produktion mit der naked eye Film entstehen soll und für den bereits Produktionsförderung eingereicht worden ist. Dafür halten wir unsere Daumen noch gedrückt.
Entscheidend für mich ist aber insbesondere die Talentpaketförderung der HessenFilm und Medien, um die ich mich aktuell bewerbe. Als ambitionierte Nachwuchsproduzentin, die ihre Produktionsfirma nachhaltig im Markt etablieren möchte und bereits mehrere Filmvorhaben in der Pipeline hat, stellt diese Form der Unterstützung eine einzigartige Chance dar, die Stoffe professionell weiterentwickeln zu können und produktionsreif werden zu lassen. Ich habe nämlich noch viel vor hier…