HessenFilm und Medien GmbH
©Christopher Bausch

Christopher Bausch, geboren in Kronberg, ist seit 2004 Kinobetreiber und man mag ihn vielleicht deshalb nicht mehr als „Young Talent“ bezeichnen. Dass er aber unweigerlich Talent hat, etwas in Bewegung zu bringen und die Filmkultur zu stärken, zeigt u.a. sein Schritt, als er vor gut über zwei Jahren die beiden Arthouse-Kinos Cinema und Harmonie in Frankfurt übernommen hat.

Bevor er jedoch Kinobetreiber wurde, absolvierte er ein brancheninternes Studium zum Filmtheaterkaufmann und durchlief mehrere Stationen eines Kinobetriebs. Begonnen hat er dann als Teamleiter und Assistent der Betriebsleitung im Kinopolis in Aschaffenburg, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Nachdem er als Betriebsleiter im Cineplex Limburg tätig war, eröffnete er 2004 das Aschaffenburger Casino Kino, ein Programmkino mit drei Leinwänden und Café. 2014 und 2015 zeichnete der FilmFernsehFond Bayern sein Kino als bestes Kino Bayerns aus. Anfang 2016 übernahm er schließlich die Arthouse-Kinos von Harald Vogel in Frankfurt. Sein in Bayern bewährtes Konzept wendet er auch dort an und wurde im vergangenen Jahr mit dem Hessischen Kinopreis honoriert.

Darüber hinaus bringt er als Vorstandsmitglied im Stadtmarketing der Stadt Aschaffenburg, Regionalsprecher der AG Kino – Gilde für Nordbayern und Mitglied diverser Vergabejurys von Kinoprogrammprämien seinen Elan und sein großes Engagement zum Ausdruck.

Anlässlich seiner anstehenden Umbauarbeiten und der Neugestaltung des Frankfurter Kinos Harmonie haben wir ihn befragt.

 

Warum lohnt es sich als junger Kinobetreiber in Hessen zu bleiben/ arbeiten?

Als gebürtiger Hesse und wohnhaft in Frankfurt fühle ich mich dem Rhein-Main-Gebiet stark verbunden. Ein bzw. zwei Arthouse-Kinos in Frankfurt zu betreiben, hat seinen ganz besonderen Reiz, denn die Programmgestaltung ist eine andere als in einer bayerischen Mittelstadt wie Aschaffenburg. Ein besonderes Merkmal der hessischen Filmbranche im Vergleich zur bayerischen, die ich auch sehr gut kenne, ist der intensive Austausch zwischen den Frankfurter Kinobetreibern. Man kennt sich untereinander und sieht sich als Kollegen. In anderen Großstädten herrscht da oft ein starkes Konkurrenzdenken.

 

Was wünschst Du Dir für die hessische Film- und Kinobranche?

Die neue „Kinoinvestitionsförderung“ ist sehr löblich und für die hessischen Kinos unbedingt nötig, gerade im Hinblick auf stetig steigende Brandschutzanforderungen, die eine kostspielige Angelegenheit darstellen. Diese Förderung als langfristige Unterstützung ist das richtige Signal aus der Politik und bildet für viele Kinos eine nachhaltige Existenzsicherung. Kino ist Kultur und Kultur muss unbedingt gefördert werden.

Wünschenswert wäre außerdem eine Branchenveranstaltung speziell für die Abspielbranche, wo Kinos und Verleiher aufeinandertreffen. Eine Möglichkeit wäre, den HDF-Kongress von Baden-Baden nach Frankfurt zu holen. Frankfurt hätte außerdem das Zeug für einen überregionalen Festivalort: Berlin hat die Berlinale und auch München und Hamburg haben ihre eigenen Filmfeste. Die Infrastruktur hier bietet eigentlich alles, was es dafür braucht und den Filmstandort Frankfurt würde ein solches Event ebenfalls stärken.

Hinsichtlich der Vergabestruktur von Förderung wäre ein/e Kinoreferent/in als Ansprechpartner/in speziell für Kinos sehr hilfreich und vielleicht wäre zukünftig eine Vergabeemission für Kinos ohne Jury denkbar.

 

Was sind Deine nächsten Projekte?

Ganz klar der Umbau der Harmonie. Wir planen eine Vergrößerung des Foyers, eine Ergänzung um einen Bar- und Cafébereich und der kleinere Kinosaal soll eine neue Bestuhlung und Leinwand bekommen. Die Harmonie soll verglichen mit dem Cinema das „reinere“ Arthouse-Kino, also studentischer und alternativ-links geprägt, werden. Dennoch möchten wir mit einem zeitlosen Stil erreichen, dass auch die Leute von der anderen Seite des Mains gerne den Weg nach Sachsenhausen auf sich nehmen.